Alle an einem Tisch!

Während der Aktionswoche Deutschland rettet Lebensmittel! sind wir für mehr Lebensmittelwertschätzung zusammengekommen – online, bei Vor-Ort-Aktionen und an unserem digitalen Tisch! Wir blicken zurück auf eine erfolgreiche Woche, in der sich Personen und Institutionen in ganz Deutschland engagiert haben. An unserem Tisch konnten wir virtuell Platz nehmen und uns austauschen. Das Ergebnis: Eine lange Tafel mit vielen hilfreichen Tipps für mehr Lebensmittelwertschätzung. Vielen Dank fürs Mitmachen und Teilen!

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Alle Tipps von den Lebensmittelretter:innen der digitalen Tafel

Engagement

"Man kann schauen, wer sich vor Ort bereits gegen Lebensmittelverschwendung engagiert und sich bei Vereinen oder anderen Organisationen einbringen!"

"Digitale Challenges die viele Menschen erreichen, mit übersichtlich dargestellten Fakten den Nutzer informieren und zum Mitmachen einladen."

Lagerung / Haltbar machen

"Tomaten nie im Kühlschrank lagern: Sie verlieren dort an Frische und Geschmack!"

"Man kann so vieles perfekt einfrieren! Suppen, Brot, sogar Obst!"

"Aus überreifen Früchten lässt sich leckere Marmelade kochen!"

Planung

"Wer zu viel einkauft, wirft am Ende mehr Lebensmittel weg. Vorräte überprüfen und genau überlegen, was man braucht. Für eine bessere Planung helfen Einkaufszettel oder Apps!"

"Gute Planung ist das A und O der Lebensmittelrettung. Ist diese doch einmal nicht aufgegangen, dann heißt es: Reste kreativ verwerten!"

"Einkaufszettel (so banal es klingt) und Essenspläne für die Woche helfen, nicht zu viel zu kaufen!"

"Geplant und bloß nie hungrig einkaufen!"

"Beim Kochen schon daran denken, was man mit den übrig gebliebenen Zutaten neues kochen kann. So kann man diese getrennt aufbewahren und neu zusammenstellen."

"Zuhause anfangen und alles aufbrauchen was da ist. Wirklich nur das kaufen was gegessen wird."

"Vor Ladenschluss Ware vergünstigt abgeben oder Pakete schnüren für kleines Geld."

"Wir kochen meistens schon mit den kommenden Tagen im Hinterkopf. So lassen sich aus den Nudeln der Beilage mit den Resten vom Gemüse am nächsten Tag prima Aufläufe kochen."

Teilen

"Wenn man zu viel gekocht hat oder man noch Lebensmittel hat, bevor man in den Urlaub fährt, kann man sie an Nachbar:innen oder Freund:innen verschenken!"

"Wenn wir Kuchen oder ähnliches übrig haben, fragen wir immer wieder Nachbar:innen und Freund:innen in der Nähe. Die freuen sich sehr über die kulinarische Abwechslung und wir müssen nichts wegwerfen."

"Das Gelbe Band: Andere miternten lassen, damit Obst nicht ungenutzt verdirbt! Hier geht's zum Ernteprojekt in Niedersachsen."

Verwertung

"Aus altem Brot kann man ganz leckeren Brotsalat machen!"

"Reste am nächsten Tag mit Ei anbraten - geht (fast) immer."

"Erstmal den Kühlschrank leer machen, bevor Neues eingekauft wird. Oft ist mensch überrascht, wieviele Mahlzeiten sich aus einem vermeintlichen leeren (Kühl)schrank noch zubereiten lassen."

"Reste mittags im Salat verwerten! Geht mit Nudeln, Kartoffeln, Reis, altem Brot (als Croutons), etwas schrumpeligem Gemüse und Obst, also praktisch allem. Besonders wird das Dressing mit Tahini-Sauce."

"Beim Brokkoli immer den Stiel mit essen."

"Alte Lebensmittel nicht wegschmeißen sondern weiterverarbeiten."

"Offen sein für neue Kreationen und einfach mal Ausprobieren, was einem zu übrig gebliebenen Lebensmitteln einfällt und die Küche meiner Oma hat dazu viele Ideen!"

"Alte und neue Rezepte benutzen -> neue Rezepte bringen Abwechslung, alte Rezepte benötigen mehr einheimische und weniger Zutaten."

"Wir haben meist einen Quicheteig im Kühlschrank. Hier können viele Reste der Woche und sämtliches Gemüse verarbeitet werden, dazu schmeckt es lecker und geht meist schnell!"

"Eintopf ist das perfekte Restverwertungsrezept!"

Wertschätzung

"Sich schlau machen, welche Teile vom Gemüse alle essbar sind! Das Buch "Leaf to Root" ist eine tolle Inspirationquelle dazu. Brokkolistrunk schmeckt roh super, Mörengrün kommt in den Kräuterquark."

"Wenn neue Rezepte probiert werden, am besten nur kleine Mengen kochen. Falls diese dann doch nicht ganz dem Geschmack entsprechen muss nur eine kleine Portion verspeist werden und nichts weggeschmissen werden."

"Immer alles im Kühlschrank verbrauchen!"

"Regionales Obst auf der nahe gelegenen Streuobstwiese selbst ernten und verwerten. Die Streuobstwiese muss natürlich zum Ernten freigegeben sein."

"Mehr selber Kochen und genug Zeit dafür einplanen. Weniger Fertigprodukte, die schnell Schlecht werden und weniger in Restaurants essen."

Warum haben Sie sich an den Tisch gesetzt? Kurzinterviews mit Beteiligten der Aktionswoche

3 Fragen an Alnatura

Aktion: 

 

1. Was motiviert Sie, sich aktiv für mehr Lebensmittelwertschätzung einzusetzen?

Für Alnatura ist nachhaltiges Denken und Handeln selbstverständlich. Daher legen wir auch großen Wert auf einen achtsamen Umgang mit Lebensmitteln. In unseren Alnatura Märkten verfügen wir schon lange über vielfältige, aufeinander abgestimmte Maßnahmen, um Lebensmittelverschwendung vorzubeugen. Wir freuen uns, jetzt im Rahmen der Aktionswoche Deutschland rettet Lebensmittel! ein weiteres öffentliches Zeichen gegen die Verschwendung von Lebensmitteln zu setzen.

 

 2. Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf? 

Laut einer Studie des Thünen-Instituts entstehen die meisten Lebensmittelabfälle in den privaten Haushalten, nämlich 52 Prozent, das entspricht etwa 75 Kilogramm pro Kopf jedes Jahr. Diese Menge stellt eine große Verschwendung von Ressourcen dar und ist aus ökologischen und ökonomischen Gründen äußerst problematisch. Alnatura ist es deswegen ein großes Anliegen, die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken und bei den Menschen wertschätzendes Bewusstsein für Lebensmittel zu schaffen. 

 

3. Welchen Tipp für mehr Lebensmittelwertschätzung haben Sie? 


Wir geben in unseren Alnatura Märkten und in unseren Kommunikationskanälen, beispielsweise im Alnatura Magazin, auf Facebook oder Instagram, immer wieder Anregungen für einen ressourcenschonenden und achtsamen Umgang mit Lebensmitteln. Dazu gehören das gut geplante und bedarfsgerechte Einkaufen und die richtige Lagerung der Lebensmittel. Außerdem zeigen wir viele Möglichkeiten der kreativen Resteküche und wie man alle Bestandteile von Obst und Gemüse verwerten kann – wie zum Beispiel für Smoothies, Suppen und Saucen.

 

 

 

 

 

Warum haben Sie sich an den Tisch gesetzt? Kurzinterviews mit Beteiligten der Aktionswoche

3 Fragen an das Team von Dörrwerk

Aktion: 

 

1. Was motiviert Sie, sich aktiv für mehr Lebensmittelwertschätzung einzusetzen?
 

In Industrieländern wie Deutschland werden Lebensmittel weggeschmissen, während in anderen Ländern viele Menschen nur das Nötigste oder gar kein Essen haben. Man sollte Lebensmittel nicht als Selbstverständlichkeit hinnehmen, sondern ihnen Wertschätzung entgegenbringen. Aus diesem Gedanken heraus haben wir unser Unternehmen gegründet. Unsere erste Motivation war die Vermeidung der Verschwendung von krummem Gemüse und Obst. Über die Zeit haben wir immer mehr über Verschwendung gelernt und wir versuchen, sie auf allen Produktionsstufen einzudämmen. Mittlerweile retten wir auch Schokolade, die als „Abfall“ in der Industrie anfällt.  Die Arbeit motiviert uns, weil wir es schade (und zu einem gewissen Maß auch respektlos) finden, dass rund 1/3 aller Lebensmittel verschwendet wird. Durch eine steigende Lebensmittelwertschätzung in der Bevölkerung kann auch die Verschwendung vermieden werden.  
 

 2. Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf? 

Am Wichtigsten ist es, die Bevölkerung darüber aufzuklären, wie man Lebensmittelverschwendung vermeiden kann. Viele wissen gar nicht darüber Bescheid, auf welchen Ebenen überall Lebensmittel verschwendet werden. Man wird selten mit diesen Informationen konfrontiert und deshalb tangiert es viele Menschen gar nicht. Zudem werden Lebensmittel oft nicht mehr wertgeschätzt. Viele Kinder und Erwachsene waren nie auf einem Bauernhof oder haben nie selbst Gemüse angepflanzt und wissen gar nicht, wie viel Arbeit und Mühe in die Agrarwirtschaft fließt. Deshalb unterstützen wir AckerSchulen. Dort lernen Kinder in Schulen oder in Kindergärten, wie Gemüse und Obst wächst, sie können selbst ein eigenes Beet bepflanzen und steigern dadurch ihre Wertschätzung gegenüber der Natur und der Landwirtschaft. 

 

3. Welchen Tipp für mehr Lebensmittelwertschätzung haben Sie? 


Jede Person kann selbst Verschwendung von Lebensmitteln vermeiden: Man kann bereits schon beim Einkauf versuchen, „krummes Gemüse“ zu kaufen, indem man viel auf lokalen Wochenmärkten kauft oder in Supermärkte geht, die auch krummes Gemüse anbieten. Vor dem Einkauf kann man sich eine Liste machen, damit man nicht zu viel Essen zu Hause hat, das schlecht werden kann. Übrig gebliebenes Essen kann in Vorratsdosen gefüllt und zum Abendbrot oder am nächsten Tag gegessen werden. Wenn man doch einmal zu viel Brot oder Gemüse hat, kann man dieses in Scheiben bzw. in kleine Stücke schneiden und in die Tiefkühltruhe packen. Das Brot kann man dann ganz einfach toasten und das Gemüse beim nächsten Kochen verwenden. Außerdem kann man sich bei der Zubereitung von Speisen überlegen, wo man noch mehr einsparen kann. Schalen von Orangen oder die Blätter von Radieschen kann man nämlich noch gut weiterverwenden.  

 

 

 

 

 

 

 

Warum haben Sie sich an den Tisch gesetzt? Kurzinterviews mit Beteiligten der Aktionswoche

3 Fragen an Jens Häussler, Gelbes Band 

Aktion: 

 

1. Was motiviert Sie, sich aktiv für mehr Lebensmittelwertschätzung einzusetzen?

Es ist sehr schade, wenn unter und auf den Bäumen gutes, schmackhaftes Obst verdirbt. Viele Streuobstbäume wurden im und nach dem Krieg gepflanzt und dienten zur Selbstversorgung. Damals war es nicht selbstverständlich, Lebensmittel in Hülle und Fülle zu haben und auch heute können Krisen schnell unseren gewohnten Alltag durcheinanderbringen. Daher ist es meiner Meinung nach wichtig, sich bewusst zu machen, dass es auch bei uns gute, regionale Lebensmittel gibt. Diese Lebensmittel zu verwenden und ins Bewusstsein zu rufen ist wichtig, um in neuen Krisenzeiten versorgt zu sein.

 

 2. Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf? 

Ich denke, die Aufklärung in Sachen Haltbarkeit von Lebensmitteln und Informationen zur Verwertung haben noch eine Menge Spielraum nach oben. Nicht jeder Apfel, der eine Druckstelle hat, muss gleich komplett weggeschmissen werden, ein Apfelmus schmeckt auch mit ausgeschnittenen Äpfeln. So gibt es zahlreiche Beispiele zur Haltbarmachung und Verwertung von Lebensmitteln.

 

3. Welchen Tipp für mehr Lebensmittelwertschätzung haben Sie? 
Die Ernte und Verwertung vom eigenen oder gekauften Obst sorgen dafür, dass man das Produkt an sich mehr wertschätzt. Man erfährt selbst, wie viel Zeit und Arbeit in der Ernte und Verwertung steckt. Darüber hinaus weiß man, was in seinem Lebensmitteln  drinsteckt – und das macht es nochmal so schmackhaft.

 

 

Warum haben Sie sich an den Tisch gesetzt? Kurzinterviews mit Beteiligten der Aktionswoche

3 Fragen an Gabriela Jahn, Landfrauen Mecklenburg-Vorpommern

Aktion: 

 

1. Was motiviert Sie, sich aktiv für mehr Lebensmittelwertschätzung einzusetzen?

Als Landwirtin und Landfrau weiß ich, wie viel Herzblut, Arbeit aber auch Freude es macht, Lebensmittel zu erzeugen und gedeihen zu sehen. Ein Kalb wird geboren, es wird gehegt, gepflegt, gestreichelt, gefüttert, es wächst… und erst wenn es selbst gekalbt hat, bekommen wir die Milch. Ein Saatkorn wird in die Erde gelegt, es braucht Wasser, Nährstoffe, Sonne, Pflege, es wächst, reift und wird schließlich geerntet, ob als Getreide oder Gemüse.

Wir Landwirt:innen tun unser Bestes, um gute Lebensmittel zu erzeugen und es tut uns weh zu sehen, wenn die ganze Arbeit und alles, was wir sonst noch in die Erzeugung gesteckt haben, auf dem Müll landet, nur weil Verbraucher:innen nicht genug aufgeklärt sind.

2. Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf? 

In der Aufklärung der Verbraucher:innen – und das sollte schon in den Schulen, also bei der nächsten Generation starten. Der Deutsche Landfrauenverband und unser Landesverband in Mecklenburg-Vorpommern fordert schon seit Jahren ein Schulfach Verbraucherbildung/Alltagskompetenzen oder Ähnliches, damit junge Menschen erfahren, wo ihre Lebensmittel herkommen und erzeugt werden. Die kommen nämlich nicht aus dem 3D-Drucker. Die Landfrauen in Mecklenburg-Vorpommern sind seit Jahren zum Thema Ernährungsbildung in Grund- und Förderschulen landesweit zu finden. Das reicht aber nicht immer aus, um nachhaltig eine Sensibilität für den Umgang und den Respekt für Lebensmittel zu erreichen.

3. Welchen Tipp für mehr Lebensmittelwertschätzung haben Sie? 

Besuche auf Bauernhöfen, in Gärtnereien und herstellenden Betrieben. So können sich Verbraucher:innen selbst einen Eindruck von der Arbeit der Landwirt:innen bei der Erzeugung von Lebensmitteln machen. Es gibt so viele Rezeptbücher, aber zu wenige, die sich mit der Verwertung von Resten beschäftigen. In solchen Büchern könnten sich Verbraucher:innen das eine oder andere abschauen und Lebensmittel nicht ungesehen in die Tonne geben.

 

 

 

 

Warum haben Sie sich an den Tisch gesetzt? Kurzinterviews mit Beteiligten der Aktionswoche

3 Fragen an Ralf Fischer, Landessparkasse zu Oldenburg

Aktion: 

 

1. Was motiviert Sie, sich aktiv für mehr Lebensmittelwertschätzung einzusetzen?

Als Landessparkasse zu Oldenburg bekennen wir uns zum Prinzip der Nachhaltigkeit. Mit unserer unternehmerischen Haltung, unseren Produkten und unseren gesellschaftlichen Initiativen wollen wir uns  als Sparkasse für die Verkleinerung des ökologischen Fußabdrucks unserer Region sowie für die Verbesserung der für alle frei zugänglichen Lebensqualität einsetzen. Als einen Teil hiervon sehen wir auch unser Angebot im betriebseigenen „MitarbeiterRestaurant“.   
 

 2. Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf? 

Der größte Handlungsbedarf besteht sicherlich in den Köpfen der Konsument:innen. Wenn Lebensmittel, insbesondere Fleisch, sehr günstig sind, ist eine Wertschätzung der Lebensmittel von der Herstellung bis hin zum Verzehr sehr schwierig. Man sollte einmal den Begriff „preiswert“ hinterfragen. Steht dieses Wort für „günstig“ in geldlicher Form? Oder eher dafür, ob das Angebotene auch wirklich „seinen Preis“ wert ist? Deshalb bieten wir unsere „Reste.Retter“-Gerichte am Folgetag auch nicht zu einem reduzierten Preis an. Denn das Lebensmittel hat ja seinen Wert nicht verloren!   

 

3. Welchen Tipp für mehr Lebensmittelwertschätzung haben Sie? 
Der Kern der Lebensmittelwertschätzung liegt sicherlich im bewussten und qualitativ guten Einkauf und der bewussten und liebevollen Zubereitung der Speisen. Mehr Gutes kann man sich und der Lebensmittelwertschätzung nicht tun!       

 

 

 

 

 

Warum haben Sie sich an den Tisch gesetzt? Kurzinterviews mit Beteiligten der Aktionswoche

3 Fragen an Jessica Schmidt, Kompetenzzentrum für Ernährung – KErn

Aktionen: 

 

1. Was motiviert Sie, sich aktiv für mehr Lebensmittelwertschätzung einzusetzen?

Um eine nachhaltige Zukunft mit einer intakten Umwelt zu sichern, sind ein verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln und die Reduktion von Lebensmittelabfällen sehr wichtig. Unsere Ressourcen sind endlich, daher müssen wir achtsam mit ihnen umgehen. Für mich ist dieser Aspekt persönlich sehr wichtig, daher setze ich mich auch beruflich im Rahmen von Projektarbeiten für verschiedene Zielgruppen für mehr Lebensmittelwertschätzung in der Gesellschaft ein. 

2. Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf? 

Rein von den Zahlen auf der Verbraucherseite, denn dort entsteht mit 52 Prozent der Großteil der Lebensmittelabfälle. Durch Bildungsarbeit können wir Verbraucher:innen zum Beispiel unterstützen und zeigen, wie wir nachhaltig leben können, ohne uns groß einschränken zu müssen. Das können Informationen über die richtige Lagerung von Lebensmitteln oder kreative Resteverwertung sein. Grundsätzlich sind aber alle entlang der gesamten Lebensmittelversorgungskette gefragt, sich für mehr Lebensmittelwertschätzung einzusetzen.

3. Welchen Tipp für mehr Lebensmittelwertschätzung haben Sie? 

Im Alltag nach Bedarf und gut geplant einkaufen gehen und die Lebensmittel bewusst – auch hinsichtlich Regionalität und Saisonalität – auswählen. Ob die Möhre dabei krumm ist oder nicht, spielt für den Geschmack keine Rolle. Lebensmittel haben ihren Wert, daher sollten wir alle versuchen, diesen zu schätzen und weniger Lebensmittel wegzuwerfen.

 

 

 

 

Warum haben Sie sich an den Tisch gesetzt? Kurzinterviews mit Beteiligten der Aktionswoche

3 Fragen an Dr. Martin Klug, Verbraucherzentrale NRW

Aktionen: 

 

1. Was motiviert Sie, sich aktiv für mehr Lebensmittelwertschätzung einzusetzen?
Jedes Lebensmittel, das weggeworfen wird, wurde angebaut, geerntet, verarbeitet, gelagert und transportiert – das verursacht viel Arbeit und Energie. Wenn wir heute viel über Nachhaltigkeit diskutieren, können wir diese Verschwendung nicht hinnehmen. Ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel gehen verloren oder werden weggeworfen! Wir müssen uns aktiv einsetzen, dass das weniger wird! Hier sind Industrie, Handel, Großverbraucher:innen und private Haushalten in der Pflicht!

 2. Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf? 
Überproduktion und Entsorgung von genießbaren Lebensmitteln sind bei der Ernährungsproduktion Teil des Systems. Daher brauchen wir insgesamt ein nachhaltigeres Ernährungssystem, in dem Lebensmittelabfälle entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Land- und Ernährungswirtschaft bis hin zum Konsum vermieden werden. Hier bestehen zahlreiche Handlungsbedarfe. Im Projekt MehrWertKonsum konzentrieren wir uns z.B. auf Kinder und Jugendliche, denn diese nehmen als künftige Verbraucher:innen Einfluss darauf, wie wir künftig unsere Lebensmittel produzieren. 

3. Welchen Tipp für mehr Lebensmittelwertschätzung haben Sie? 
Engagieren Sie sich für das Thema! Man kann sehr viel zuhause tun – geschickt einkaufen, optimal lagern, gut Vorrat halten, Reste verwerten – aber es ist ebenso wichtig, die Problematik in die Breite zu bringen. Es gibt mittlerweile zahlreiche Initiativen, die sich für Lebensmittelwertschätzung einsetzen. Das sind zum Beispiel Ernährungsräte, Solidarische Landwirtschaften, Foodsharing oder Gemeinschaftsgärten. Das persönliche Engagement für ein nachhaltigeres Ernährungssystem ist ungemein wichtig für den Wandel und für den Anstoß gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Veränderungen!