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Die 14 nominierten Projekte für den Bundespreis 2017

Insgesamt 14 Projekte hat die Jury bei ihrer Sitzung im Februar für den Bundespreis in den Kategorien Handel, Gastronomie, Produktion, Gesellschaft & Bildung sowie für den Förderpreis nominiert. Die Preisträger werden bei der Preisverleihung am 5. April 2017 in Berlin bekannt gegeben. Insgesamt hatten sich 168 Projekte beworben.

 

Die 14 nominierten Projekte für den Bundespreis sind (alphabetische Reihenfolge):

Conditorei Coppenrath & Wiese (Produktion)

Das Geld hängt an den Bäumen (Gesellschaft & Bildung)

DÖRRWERK GmbH (Förderpreis)

EDEKA Handelsgesellschaft Südwest mbH, Projekt „Warenbörse“ (Handel)

Junge. Die Bäckerei., Projekt „BrotRetter“ (Handel)

Knödelkult (Produktion)

Lecker tafeln! (Gesellschaft & Bildung)

LWL Klinik Münster (Gastronomie)

Ökodorf Brodowin GmbH & Co. Vertriebs KG (Produktion)

RESTLOS GLÜCKLICH (Gastronomie)

ShoutOutLoud mit der Resteküche (Förderpreis)

tegut… gute Lebensmittel GmbH & Co. KG (Handel)

Too Good To Go (Gastronomie)

Wirf mich nicht weg! (Gesellschaft & Bildung)

 

 

Conditorei Coppenrath & Wiese

(c) Coppenrath & Wiese

Die Conditorei Coppenrath & Wiese KG, Europas größter Hersteller tiefgekühlter Torten und Kuchen, verarbeitet unter anderem Apfelschalen zu Apfelmark für spezielle Füllungen.

Zwischen 60 und 80 Tonnen Äpfel verarbeitet Coppenrath & Wiese pro Tag für tiefgekühlte Kuchen, Torten, Strudel und Desserts. Bis vor einigen Jahren konnten bis zu 25 Prozent der Äpfel nicht verwendet werden, vor allem Schalen und kleine Stücke, die für die Weiterverarbeitung in Kuchen und Torten zu klein waren. Diese Teile verarbeitet das Unternehmen mittlerweile zu Apfelmark weiter, das für spezielle Füllungen benötigt wird. Das reduziert wiederum Transport- und Einkaufskosten, da Rohstoffe nicht ins Werk transportiert werden müssen. Die Gewinnung des Apfelmarks war so effektiv, dass in einem Folgeprojekt nach weiteren Anwendungsmöglichkeiten gesucht wurde und Coppenrath & Wiese mit der Herstellung eigener Konfitüre begann. So konnten die Schälabfälle von 25 auf 5 Prozent reduziert werden. Das Projekt deckt den jährlichen Bedarf an Apfelmark von ca. 900 Tonnen vollständig ab. Beide Rohwaren – Apfelmark und Konfitüre – müssen heute nicht mehr extern zugekauft werden.

Das Projekt wurde in Zusammenarbeit von Mitarbeitern aus Produktion und Technik durchgeführt. Sie erstellten innerhalb der Arbeitszeit zunächst ein Konzept für die benötigte Anlage zur Herstellung des Apfelmarks. Anschließend wurde die Anlage gebaut und, begleitet von umfangreichen Versuchen, in Betrieb genommen. Sowohl Projektbearbeitungszeit als auch die Inbetriebnahme lagen bei mehreren Monaten, wobei die Anlage parallel zur laufenden Produktion im Apfelschälbetrieb in Betrieb genommen wurde.

Kategorie: Produktion
Privatwirtschaftliches Unternehmen, Osnabrück (Niedersachsen)

 

 

Das Geld hängt an den Bäumen

(c) Andrea Rüster

Die Das Geld hängt an den Bäumen gGmbH schafft Arbeitsplätze und rettet Früchte ungenutzter Streuobstwiesen.

Sozial benachteiligte Menschen und Ehrenamtliche ernten bei „Das Geld hängt an den Bäumen“ Obst, das sonst an den Bäumen hängen bliebe, und stellen daraus Saft her. In den sieben Jahren des Bestehens ist das Projekt stetig gewachsen. Mittlerweile produziert es rund 100.000 Liter Saft pro Jahr, der lokal verkauft wird. Unterstützt wird das Projekt von privaten Obst-Spendern, Öko-Landwirten und Vereinen, die Streuobstwiesen betreuen. „Das Geld hängt an den Bäumen“ hat bisher zehn Arbeitsplätze geschaffen, die alle Gebiete der Produktion abdecken: Pflücken, Transport, Verarbeitung, Lagerung, Vertrieb und Lieferung.

Seit kurzem stellt außerdem der Supermarkt Sky in Blankenese dem Projekt wöchentlich eine Palette Obst und Gemüse zur Verfügung, das wegen kleinerer Mängel nicht mehr verkauft wird. Daraus werden Chutneys, Marmeladen, Aufstriche und Suppen zubereitet. Sky bietet die Produkte in der Filiale unter dem Namen „Aus heiterem Himmel“ an.

Das gemeinnützige Unternehmen finanziert sich zum größten Teil aus dem Verkauf der Produkte sowie aus Förderungen und Geldspenden. Für das Projekt „Aus heiterem Himmel“ stellt Sky Obst und Gemüse kostenfrei zur Verfügung, übernimmt den Vertrieb und lässt „Das Geld hängt an den Bäumen“ die Erlöse zukommen. Diese werden nachhaltig verwendet und fließen zu 100 Prozent in die Schaffung von Arbeitsplätzen für sozial Benachteiligte und ökologische Projekte, zum Beispiel in die Pflanzung neuer Streuobstwiesen.

Kategorie: Gesellschaft & Bildung
Gemeinnützige GmbH, Hamburg

 

 

DÖRRWERK

(c) Marienpark Berlin

Das junge Berliner Unternehmen DÖRRWERK hat sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Snacks aus geretteten Lebensmitteln spezialisiert.

Getrocknetes Obst und Gemüse ist haltbar und gesund. DÖRRWERK kombiniert diesen Ansatz mit aktiver Lebensmittelrettung. Aus geretteten Früchten entstehen dabei wertvolle Snacks. DÖRRWERK, das sind drei Gründer sowie derzeit eine Produktionsleiterin und zwei weitere Mitarbeiter, die täglich Obst verarbeiten und dörren. Das Unternehmen ist aus Eigenkapital und einem Darlehen der Berliner Sparkasse initiiert worden.

Das Team kauft Obst mit optischen Mängeln, das nicht mehr in den Einzelhandel gelangt, und stellt daraus die Produktinnovation „FRUCHTPAPIER“ her – ein Snack aus hauchdünn getrocknetem und knusprigem Fruchtpüree. Als Rohstoff dienen deutsche Äpfel mit Hagelschäden, Schorf oder Dellen und Druckstellen oder Erdbeeren, die aufgrund des Reifegrads nicht mehr als erste Klasse gehandelt werden. Üblicherweise landen diese Früchte in der Biogasanlage.

Insgesamt wurden bisher 40 Tonnen Äpfel, Erdbeeren, Ananas und Mangos gerettet und verarbeitet. Das Ziel des Unternehmens ist es, pro Jahr ca. 200 Tonnen Obst vor der Vernichtung zu bewahren und zu sinnvollen, gesunden und knusprigen Snacks zu trocknen. Die Snacks sind frei von jeglichen Zusatzstoffen, das Fruchtpapier besteht zu 100 Prozent aus Obst. Damit nicht genug: Als neues Produkt sind bereits Gemüsesnacks in der Entwicklung, die ohne Zusatz von Fetten knusprig gedörrt werden.

Kategorie: Förderpreis
Privatwirtschaftliches Unternehmen, Berlin

 

 

EDEKA Handelsgesellschaft Südwest mbH, Projekt Warenbörse

(c) EDEKA Südwest

Mit einem internen Webshop leistet die EDEKA Handelsgesellschaft Südwest mbH einen Beitrag zur Verringerung von Lebensmittelverlusten.

Die Warenbörse ist ein neu entwickelter Webshop im Intranet der EDEKA Südwest. Über die Warenbörse werden den EDEKA-Märkten seit Februar 2015 ausgewählte Artikel aus unterschiedlichen Sortimenten angeboten – zu deutlich vergünstigten Bezugspreisen. Gehandelt werden unter anderem Artikel wie Milchprodukte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) verkürzt ist, sowie Rest- oder Sonderposten. Hinzukommen schnell verderbliche Produkte wie Obst und Gemüse, von denen zu viel Ware am Lager ist. Zusätzlich werden über die Plattform regionale Produkte angeboten, die zum jeweiligen Zeitpunkt nur in kleinen Mengen verfügbar sind. Zum Beispiel Spargel aus der Region zu Beginn und Ende der Saison.

Ausgeliefert werden die über die Plattform gehandelten Waren über fünf Logistikzentren. Sowohl selbstständige Kaufleute der EDEKA Südwest als auch Lebensmittelmärkte, die von der Großhandlung in Eigenregie betrieben werden, können auf den internen Webshop zugreifen. Das sind insgesamt rund 1.300 EDEKA-Märkte. Mit rund 270.000 bestellten Kollis, dies entspricht einem Warenvolumen von ca. 4.000 Paletten, ist die Warenbörse ein wichtiges Instrument, um die Vernichtung von Lebensmitteln zu vermeiden.

Ware, dessen MHD für eine Auslieferung an die Märkte zu gering ist und damit auch nicht über die Warenbörse dem Einzelhandel angeboten wird, kommt den ortsansässigen TAFELN zugute.

Kategorie: Handel
Genossenschaft, Offenburg (Baden-Württemberg)

 

 

Junge Die Bäckerei. Projekt "BrotRetter"

(c) Junge Die Bäckerei.

Die von Junge Die Bäckerei. entwickelte und umgesetzte BrotRetter-Idee gibt nicht nur Broten vom Vortag, sondern auch sozial benachteiligten Menschen eine zweite Chance.

In vielen Fällen landen Brote und Gebäck vom Vortag im Müll. Damit dies nicht so ist, hat das 176 Filialen umfassende Familienunternehmen Junge Die Bäckerei. das Projekt BrotRetter ins Leben gerufen. In zwei eigenständigen BrotRetter-Läden verkauft das Unternehmen Brot vom Vortag zu günstigeren Preisen. Das Besondere: Im Laden arbeiten ehemalige Obdachlose. Partner des Projekts sind die Lübecker Vorwerker Diakonie und das Obdachlosen-Magazin Hinz&Kunzt aus Hamburg. Sie kümmern sich um die Menschen in Notsituation, geben ihnen nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch Halt. Die BrotRetter erhalten einen festen Arbeitsvertrag und so die Chance auf einen Weg zurück ins normale Leben. Überschüsse aus dem BrotRetter-Geschäft kommen ausschließlich den Partnern zugute. Zugleich reduziert Junge mit jedem so verkauften Brot die Ware, die sonst an die Tierfutterverwertung gegangen wäre.

Als Unternehmen stellt Junge die Immobilie, die Einrichtung, die Ausstattung, die Ware und die frischen Zutaten für Snacks sowie das Vertriebs-Know-how. Ebenso übernimmt die Bäckerei das Training und den überwiegenden Teil des Personals und die Bezahlung und Bekleidung der Mitarbeiter von Hinz&Kunzt und der Vorwerker Diakonie – pro Geschäft ein mittlerer fünfstelliger Betrag.

Von dem Projekt profitieren dabei nicht nur die Bedürftigen. Kunden, die preisgünstig einkaufen können oder müssen, finden bei den BrotRettern ein entsprechendes Angebot, ebenso Kunden, die etwas Gutes tun möchten.

Kategorie: Handel
Privatwirtschaftliches Unternehmen, Lübeck (Schleswig-Holstein)

 

 

Knödelkult

(c) Leuchtquelle

Das junge Unternehmen Knödelkult entwickelt, produziert und vertreibt einen Klassiker der Resteküche auf moderne Weise: Knödel im Glas aus gerettetem Brot.

Jedes Jahr werden unzählige Tonnen Brot weggeworfen. Nicht weil es schlecht ist, sondern weil es den Ansprüchen nicht mehr genügt oder zu viel produziert wurde. Knödelkult macht aus gerettetem Brot, das von Bäckereien nicht verkauft werden konnte, Knödel im Glas. Das Brot kauft das aus drei Gründern bestehende Team den Bäckereien gegen einen kleinen Betrag je Kilo ab. Dieser Betrag ist jedoch nicht so hoch, dass er die Bäckereien zu einer achtlosen Überproduktion motiviert. Aus dem alten Brot entsteht so ein neues und lang haltbares Lebensmittel, das schnell und einfach zubereitet ist. In jedem Knödelglas zu 350 g stecken etwa 250 g gerettetes Brot. Allein durch die ersten 3.000 bestellten Gläser konnte Knödelkult schon mehr als eine Tonne Brot vor dem Wegwerfen bewahren.

Darüber hinaus lädt das Team mit einfachen, aber kreativen Rezepten zum „Selberknödeln“ ein, damit auch zu Hause Brot nicht weggeworfen, sondern weiterverarbeitet wird. Die Rezepte zum „Do-it-yourself-Knödel“ werden mit den Bestellungen versendet und online veröffentlicht.

Die Idee zu Knödelkult entstand im April 2016. Seither wurden Rezepturen entwickelt und regionale Bäckereien als Partner gewonnen. Eine Crowdfunding-Kampagne lieferte das Startkapital für den Aufbau der Produktion. Jetzt arbeitet das Knödelkult-Team daran, die Logistik und die Herstellungsprozesse weiter zu optimieren, um größere Mengen produzieren zu können und so noch mehr Brot vor der Tonne zu retten.  

Kategorie: Produktion
Privatwirtschaftliches Unternehmen, Konstanz (Baden-Württemberg)

 

 

Lecker tafeln!

(c) Kinderkochen Friedberger Tafel Hauler

Das Projekt „Lecker tafeln! Von der Tafel auf den Familientisch“ fördert die Ernährungskompetenz von Menschen, die auf die Unterstützung der TAFELN angewiesen sind, sowie deren Wertschätzung für Lebensmittel.

Wer über entsprechende Kompetenzen verfügt, kann effektiver mit Lebensmitteln umgehen und planen, sodass sowohl in den Haushalten als auch bei den TAFELN weniger weggeworfen werden muss. „Lecker tafeln!" wendet sich an sozial benachteiligte Familien, die ihre Lebensmittel durch die TAFELN beziehen. „Lecker tafeln!“ fördert die Ernährungs- und Lebensmittelkompetenz dieser Familien und wirkt so auch der Verschwendung von Lebensmitteln entgegen.

Die Idee zum Projekt „Lecker tafeln!" stammt von den TAFELN. Die Plattform Ernährung und Bewegung erprobte diese in einer Pilotphase mit den TAFELN in Friedberg (Hessen), Nordhorn (Niedersachsen) und Weimar (Thüringen). Unterstützt wurde dies durch den Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde
e. V. (BLL).

Die beteiligten Tafeln schulten zunächst die Tafelmitarbeiter zu Inhalten und Methoden zur Verbesserung der Lebensmittel- und Ernährungskompetenz. Schwerpunkte waren Warenkunde, Lagerung, Lebensmittelhygiene, Verarbeitung von überreifen Früchten und der Umgang mit Resten. Danach wurden mit den Tafelkunden verschiedene Maßnahmen erprobt, unter anderem in Workshops und Verkostungs- und Kochaktionen. So lernten die Tafelgäste, wie sie saisonal verfügbare Gemüse- und Obstsorten zubereiten oder überreifes Obst wie braune Bananen verwerten. Auf dieser Basis konnten schließlich auf die Gegebenheiten der jeweiligen TAFELN zugeschnittene Maßnahmen umgesetzt werden.

Kategorie: Gesellschaft & Bildung
Projekt der Plattform Ernährung und Bewegung e. V. / Gemeinnütziger Verein, Berlin

 

 

LWL-Klinik Münster

(c) A’verdis Münster

Die LWL-Klinik Münster ist die Vermeidung von Lebensmittelabfällen ganzheitlich angegangen und versteht sich auch als Vorbild für andere Kliniken und Pflegeeinrichtungen.

Die LWL-Klinik Münster, eine Einrichtung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), ist ein psychiatrisches Fachkrankenhaus mit angeschlossenem Pflegezentrum und Wohnverbund. Die Küche bereitet täglich rund 800 Essen für Patienten, Bewohner und Beschäftigte sowie die Schülerinnen und Schüler einer Körperbehindertenschule des LWL.

Als Praxispartner des Projekts „Reduktion von Warenverlusten und Warenvernichtung in der Außer-Haus-Verpflegung“ des iSuN-Institut für Nachhaltige Ernährung der FH Münster ergriff die Klinik verschiedene Maßnahmen zur Reduzierung des Lebensmittelabfalls: Kellenpläne wurden geändert, eine Salatbar eingerichtet, die Spülküche informiert die Küchenleitung über Reste. Daraus entstand ein Handlungsleitfaden für Küchen der Außer-Haus-Verpflegung. Das Projekt wurde und wird mit dem gesamten Küchenteam, dem Einkauf sowie dem Abfall- und Umweltmanagement durchgeführt. Zusätzlich wurden Beschäftigte der Stationen und der Hausküchen sowie der Personalrat eingebunden. Für das Küchenteam wurde als Ansporn ein Zuschuss für ein Teamfest ausgelobt.

Von 2013 bis 2016 sank die Abfallmenge schrittweise von etwa 78 Tonnen auf rund 66 Tonnen. Im nächsten Schritt sollen die Abfälle, die durch das Buffetsystem für Frühstück und Abendessen aufgrund der Hygienevorgaben entstehen, reduziert werden. Auch die regionalen Lieferanten sollen stärker eingebunden werden, um bereits dort Lebensmittelabfälle zu vermeiden. Seit Sommer 2015 arbeitet LWL zudem mit der Münsteraner TAFEL zusammen.

Kategorie: Gastronomie
Psychiatrisches  Fachkrankenhaus, Münster (Nordrhein-Westfalen)

 

 

Restlos Glücklich

(c) Claudia Goedke

Im Lokal von RESTLOS GLÜCKLICH e. V. im Berliner Stadtteil Neukölln wird vorwiegend mit geretteten Lebensmitteln gekocht – aussortiert von Händlern, Supermärkten und Bauern.

Köstliche, kreative Gerichte kommen bei RESTLOS GLÜCKLICH auf den Tisch – zum Großteil aus Lebensmitteln, die aus verschiedenen Gründen aussortiert wurden. Das Team holt die Lebensmittel von Supermärkten sowie dem Groß- und Einzelhandel ab. Es handelt sich um Ware, die aus ästhetischen Gesichtspunkten nicht verkauft werden kann oder die zu viel bestellt wurde. Auch Saisonware wie Osterschokoladentäfelchen nutzen die Köche zum Beispiel für Desserts. Das Lokal zeigt so den Gästen, dass auch diese Lebensmittel noch völlig genießbar sind, und regt zur Reflexion über ihr eigenes Wegwerfverhalten an.

Dank einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne und vieler hundert Arbeitsstunden des ehrenamtlichen Teams wurde im Mai 2016 das kleine Lokal eröffnet. Das Publikum ist bunt gemischt – Studenten, Familien, Food-Aktivisten und Nachbarn aus dem Kiez. Das Lokal trägt sich nun nahezu selbst, mit finanzieller Unterstützung durch Catering-Aufträge. Für das Gelingen sorgen das Gründungsteam und zusätzliche Freiwillige. Darüber hinaus gibt es sechs bezahlte Arbeitsplätze im Lokal.

Aus den erwirtschafteten Gewinnen bietet RESTLOS GLÜCKLICH ein themenbezogenes Bildungsangebot an: Erwachsene lernen in Reste-Kochkursen selbst wieder kreativer mit Lebensmitteln umzugehen und bekommen Tipps zur Einkaufsplanung. Sie erfahren, was Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum bedeuten und wie sie durch die richtige Lagerung von Lebensmitteln zu Hause Reste vermeiden. Kinder und Jugendliche informiert der Verein in Kochkursen und spielerischen Lernangeboten über den Wert von Lebensmitteln und die Folgen der Lebensmittelverschwendung.

Kategorie: Gastronomie
Eingetragener Verein, Berlin

 

 

Ökodorf Brodowin GmbH & Co. Vertriebs KG

(c) Brodowin

Der Demeter-Produzent und -Verarbeiter Ökodorf Brodowin GmbH & Co. Vertriebs KG reduziert mit einem ganzheitlichen Ansatz Lebensmittelabfälle.

Rund 2.000 Bioartikel wie Gemüse oder Milchprodukte umfasst der Lieferservice von Brodowin. Lebensmittel, die wegen Druckstellen oder anderer Makel nicht den Kundenwünschen entsprechen, werden seit 2015 in der betriebseigenen Küche zu fertigen Gerichten verarbeitet. Diese Produkte, unter anderem Tiefkühlaufläufe oder Salate, sind aufgrund der teilweise sehr kleinen Chargen nicht beim Naturkostgroßhandel erhältlich und werden ausschließlich direkt an die Kunden vertrieben.

Darüber hinaus reduziert Brodowin Abfälle bei der Schlachtung von Tieren. Normalerweise landen zwischen 20 und 55 Prozent des Tieres nicht auf dem Teller, sondern im Müll. Der Ökobetrieb hingegen lässt sich alle Teile des Tieres vom Hausschlachter aushändigen. Aus den Knochen entstehen hunderte Liter Brühe im Jahr, aus Pansen und anderen Innereien Gerichte wie Rinderherz in Rotweinsoße oder Saure Leber.

Nicht nur Abfall, sondern die Tötung männlicher Küken reduzieren, möchte Brodowin durch die Aufzucht von Bruderhähnen. Ihr Fleisch wird zu Frikassee, Hühnercurry und ähnlichen Gerichten verarbeitet. Die dafür nötige Ideenfindung, Zubereitung, Vermarktung geschieht nebenbei.

Insgesamt holt die Firma ReFood wöchentlich rund zwei Tonnen Abfall bei Brodowin ab – bei
1.800 belieferten Haushalten. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Abfälle wie Schalen oder Schnittränder von Wurst oder Käse.

Kategorie: Produktion
Privatwirtschaftliches Unternehmen, Chorin (Brandenburg)

 

ShoutOutLoud mit der Resteküche

(c) ShoutOutLoud

Der Verein ShoutOutLoud plant den deutschlandweit ersten Foodtruck auf die Straßen Frankfurts zu schicken, der hauptsächlich mit geretteten Bio-Lebensmitteln kocht.

ShoutOutLoud engagiert sich seit mehreren Jahren gegen die Lebensmittelverschwendung. Mit der Idee eines Foodtrucks, in dem mit geretteten Lebensmitteln gekocht wird, verbindet der Verein den Trend Streetfood, die Achtsamkeit gegenüber Lebensmitteln und den kulturellen Austausch untereinander. Das Angebot aus Streetfood, Catering und Think Tank soll dabei helfen, den Leuten das Thema Lebensmittelverschwendung auf unterschiedliche Art und Weise näherzubringen: Entweder ganz subtil über den Genuss leckerer, gesunder und vor allem nachhaltiger Speisen, oder aber intensiver im Rahmen von Workshops bestehend aus Live-Cooking, Impulsvorträgen und Arbeitsgruppen.

Bisher existiert der Foodtruck nur auf dem Papier. Nach einem überwältigend positiven Feedback der ersten Idee wurde ein Businessplan erstellt. Dieser war Grundlage für die Konzeption einer Crowdfunding-Kampagne, welche Anfang Februar zwar nicht das Ziel, aber doch deutlich die Funding-Schwelle erreichte und bereits 40.000 Euro einspielte. Erste Zusagen potenzieller Lieferanten von Bio-Lebensmitteln gibt es bereits – sie liefern nicht mehr verkäufliche B-Ware für das Streetfood. Später sollen mehrere Personen für den Foodtruck arbeiten, entweder im Verkauf oder im Background-Management. Weiterhin plant der Verein je nach finanzieller Lage Teilstellen bzw. Minijobs für Geflüchtete, um kulturellen Austausch im Zuge ihrer Integration zu ermöglichen.

Kategorie: Förderpreis
Gemeinnütziger Verein, Frankfurt am Main (Hessen)

 

 

tegut... gute Lebensmittel GmbH & Co. KG

(c) tegut

Das Handelsunternehmen tegut... gute Lebensmittel GmbH & Co. KG verwertet die gesamte Gemüseernte auf sinnvolle Weise, egal ob sie vermarktbar ist oder nicht.

tegut… ist ein regionaler Lebensmitteleinzelhändler mit dem Fokus auf Bio, Regionalität und Nachhaltigkeit. Seit sechs Jahren kooperiert das Unternehmen mit der Remlinger Rüben GmbH, damit deren gesamte Ernte an Biozwiebeln, Biomöhren und Biokartoffeln verwertet wird.

Der Prozess läuft mehrstufig ab: Sortierabfälle und Erde werden mit Pferdemist und Grünschnitt vom Feld kompostiert und zu Humusdünger verarbeitet. Nicht marktfähiges Gemüse wird zu Tierfutter. Nicht normgerechtes Gemüse oder welches mit Macken geht zur Verarbeitung in Schälbetriebe und in die Gastronomie. Auf diese Weise werden von rund 50 Tonnen regionalen Kartoffeln pro Woche rund 78 Prozent der Ernte im Einzelhandel und im eigenen Hofladen verkauft. Etwa drei Prozent werden handwerklich verarbeitet. Rund 13 Prozent werden zu Tierfutter und etwa sechs Prozent zu Kompost. Jeder Bestandteil von Schalen bis zu verkaufsfähiger Ware wird im Sinne der nachhaltigen Bewirtschaftung genutzt.

Ergänzend setzt tegut… auf automatische Bestelldisposition, schult die eigenen Mitarbeiter und rabattiert Produkte vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums. Im Laden vor Ort sensibilisiert tegut… seine Kunden für bedarfsgerechte Mengen und für weniger Verschwendung in privaten Haushalten. Sie können aus acht Kartoffelsorten von groß bis klein und mit verschiedenen Kocheigenschaften wählen: lose oder in verschiedene Kilo-Packungen verpackte mittlere Kartoffeln, kleine Schwenkkartoffeln sowie große Back- und Grillkartoffeln. Überschüssige Waren gehen an die örtliche TAFEL oder – im letzten Schritt – in die Biogasanlage.

Kategorie: Handel
Privatwirtschaftliches Unternehmen, Fulda (Hessen)

 

Too Good To Go

(c) Too good to go

Die App Too Good To Go bietet Gastronomen die Möglichkeit, nicht verkaufte Speisen zum Ladenschluss zu einem vergünstigten Preis für Selbstabholer anzubieten.

Der Auftrag des öko-sozialen Unternehmens hinter Too Good To Go lautet: Essen retten, Geld sparen und die Welt verbessern. Too Good To Go vernetzt dazu gastronomische Betriebe und Kunden, denn gemeinsame Handlungen sind doppelt wirksam. Damit Lebensmittelverschwendung Stück für Stück – beziehungsweise Box für Box – gegessen ist.

Too Good To Go bietet eine Lösung, um gutes und frisches Essen vor der Tonne zu retten: Mit der App können Gastronomen ihre Reste vergünstigt anbieten. Auf diese Weise verfügen sie auch über einen zusätzlichen Kanal, mit dem sie Kunden erreichen können. Angemeldete Benutzer können diese Speisen direkt über die App bestellen und bezahlen. Abholen können sie die Speisen in einem angegebenen Zeitfenster kurz vor oder nach Ladenschluss. Die Benutzer der App erhalten so ein Restaurant-Essen für im Durchschnitt zwei bis drei Euro. Die App ist kostenlos, sowohl für die Benutzer als auch für die Betriebe. Den Betrieben stellt das Team von Too Good To Go darüber hinaus ökologisch abbaubare Reste-Boxen zur Verfügung. Finanziell soll sich das Geschäftsmodell in der Zukunft dadurch tragen, dass pro Transaktion ein kleiner Anteil an Too Good To Go abgetreten wird (der unter anderem die gelieferten Verpackungen beinhaltet).

Die Idee für Too Good To Go stammt aus Dänemark. Mittlerweile ist das Team in mehreren europäischen Ländern aktiv. In Deutschland sind bisher rund 210 Restaurants, Bäckereien und Lebensmittelläden in der App verfügbar. Das Angebot wächst täglich. Bis jetzt (März 2017) gibt es bundesweit rund 118 000 angemeldete Nutzer. Etwa 23 000 Essen wurden so bereits vor der Mülltonne gerettet und damit in weniger als einem Jahr 36 Tonnen CO2-Äquivalent eingespart.

Kategorie: Gastronomie
App gegen Lebensmittelverschwendung, Dänemark/Berlin

 

 

Wirf mich nicht weg!

(c) Regionales Umweltbildungszentrum Hollen e.V

Das Regionale Umweltbildungszentrum Hollen trägt mit dem Projekt „Wirf mich nicht weg!“ durch Aufklärung und Wissensvermittlung zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen bei.

Was ist der „Auge-Nase-Mund-Check“? Wie räumt man einen Kühlschrank richtig ein? Wie erkennt man alte Eier? Antworten auf diese und andere Fragen vermittelt das Regionale Umweltbildungszentrum Hollen in seinem Projekt „Wirf mich nicht weg!“. Die außerschulische Bildungseinrichtung zur Förderung der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung spricht damit Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Jahrgangsstufe an. Sie können sich für das Projekt kostenfrei anmelden. Pro Jahr werden 50 Grundschulen bundesweit durch eine Ökotrophologin für einen Vormittag besucht. Die Kosten des Projekts werden von Toppits® übernommen. Die Materialien für die Kinder bleiben dabei werbefrei.

Die Kinder lernen an fünf handlungsorientierten Stationen, wie sie das Wegwerfen von Lebensmitteln vermeiden können. Sie erfahren auch, dass viel Arbeit in der Herstellung von Lebensmitteln steckt und man sie daher nicht wegwerfen sollte. Nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern mit einfachen Tipps und Tricks werden die Schülerinnen und Schüler spielerisch angeleitet. Materialien und Spiele verbleiben als Set in den Schulen, damit die Lerneinheit kontinuierlich auch weiteren Klassen angeboten werden kann. Die Kinder sollen auch ihre Familien für das Thema sensibilisieren und zu Hause Lebensmittel sachgemäß lagern, damit schlussendlich weniger Lebensmittel im Müll landen. Da Studien zeigen, dass es besonders für Familien mit Kindern eine Herausforderung ist Lebensmittelverschwendung zu vermindern, ist es dem Projekt eine Herzensangelegenheit allen Familienmitgliedern Tipps und Ideen zur Verringerung von Lebensmittelabfällen an die Hand zu geben.

Kategorie: Gesellschaft & Bildung
Projekt des Regionalen Umweltbildungszentrums Hollen, Ganderkesee (Niedersachsen)

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