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Die 16 nominierten Projekte für den Bundespreis 2016

Insgesamt 16 Projekte aus vier Kategorien (Handel, Gastronomie, Produktion, Gesellschaft und Bildung) hat die Jury bei ihrer Sitzung im Februar für den Bundespreis und den Förderpreis nominiert. Die Preisträger werden bei der Preisverleihung am 13. April 2016 in Berlin bekannt gegeben. Insgesamt hatten sich 234 Projekte beworben.

Die 16 nominierten Projekte für den Bundespreis sind (alphabetische Reihenfolge):

Aramark, Neu-Isenburg (Gastronomie)

BioCompany, Berlin (Handel)

Biond, Kassel (Gastronomie)

Fischküche Reck, Erlangen (Gastronomie)

FoodFighters, Ubstadt-Weier (Gesellschaft & Bildung)

Foodsharing, Köln (Gesellschaft & Bildung)

Gertrudenhof, Hürth (Produktion)

Im Angebot e.K. & SALT Solutions GmbH, Leipzig (Handel)

Münchner Kindl Senf, Fürstenfeldbrück (Produktion)

Marmelade für Alle, Hannover (Gesellschaft & Bildung)

Maritim, Bad Salzuflen (Gastronomie)

Nimm mich zuerst, Köln (Förderpreis)

Restlos glücklich, Berlin Kreuzberg (Förderpreis)

Schnippeldisko, Berlin-Mitte (Gesellschaft & Bildung)

The Good Food, Köln (Handel)

Ugly Fruits, Berlin-Neukölln (Produktion)

ARAMARK Holdings GmbH & Co. KG

(c) ARAMARK Holdings GmbH & Co. KG

Um unnötige Lebensmittelabfälle zu verringern, setzt Aramark, das zweitgrößte Catering-Unternehmen Deutschlands, in allen Betrieben ein umfassendes Waste-Management-Programm um.

Großes Augenmerk liegt auf einer möglichst akkuraten Bedarfs- und Mengenplanung. So werden Überproduktion und damit Reste von zubereiteten Speisen vermieden. Trainings im Bereich der handwerklichen Verarbeitung fördern die optimale, abfallminimierende Vorbereitung. Beispielsweise werden das richtige Zuschneiden der Zutaten sowie die möglichst komplette Verwendung der eingesetzten Produkte trainiert. In allen Küchen werden anfallende Speisereste gesammelt, protokolliert und analysiert.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Bewusstseinsbildung. Transparente Abfallbehälter in jeder Küche verdeutlichen den Mitarbeitern die Abfallmengen. Insgesamt wurden 50 Schulungen mit Betriebs- und Küchenleitungen und 600 betriebliche Trainings mit den Küchenteams durchgeführt. Ein verpflichtendes E-Learning-Programm vermittelt alle ergriffenen Maßnahmen. Aramark konnte so die vermeidbaren Speiseabfälle um rund 50 Prozent verringern.

Gegenüber Gästen und Kunden wird Lebensmittelverschwendung immer wieder thematisiert und zur Vermeidung von Abfällen aufgerufen. Im Rahmen eines Forschungsprojektes wertet das Unternehmen die Speisereste von den Tellerrückläufen der Gäste aus. Daraus sollen zusätzliche Maßnahmen zur Reduktion dieser Lebensmittelabfälle entstehen.

BIO COMPANY

(c) Justus Worbs

Die BIO COMPANY GmbH rettet Lebensmittel unter anderem durch ein Weitergabesystem, durch Preisreduktionen und durch Mitarbeiterschulungen.

Was nicht mehr so frisch aussieht oder nahe am Mindesthaltbarkeitsdatum ist, wird im Supermarkt oft aussortiert. Die Biomärkte der Berliner BIO COMPANY hingegen reduzieren solche Waren um 20 bis 50 Prozent, sodass Kunden zum Teil sogar „abgelaufene“ Waren kaufen. Denn das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum. Zudem sind alle Filialen dazu angehalten, Überbestellungen zu vermeiden. Bleiben dennoch Lebensmittel übrig, läuft in den Filialen ein Mehrstufensystem an: Zunächst werden die Waren der eigenen Belegschaft angeboten, dann den TAFELN, Organisationen für Obdachlosenarbeit, privaten Hilfsorganisationen oder Tierheimen. Parallel dazu arbeiteten die Biomärkte mit dem Netzwerk der Initiative foodsharing e. V. zusammen, das von den Filialen benachrichtigt wird oder in regelmäßigen Abständen Lebensmittel abholt. Die BIO COMPANY ist seit 2012 erster Partner von foodsharing e. V. und unterstützte die Initiative bereits in der Gründungsphase.

Intern wird auf Schulungen gesetzt. Regelmäßig werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Filialen und der Zentrale sensibilisiert für das Thema Ressourcenschonung und Vermeidung von Abfällen sowie den sorgsamen Umgang mit Recyclingprogrammen. Auch täglich mehrfaches Überprüfen von Obst und Gemüse rettet Lebensmittel: So werden z. B. Früchte, die schlecht werden, schnell aussortiert, damit sie andere Früchte nicht „anstecken“. Das Ergebnis: Durch den Einsatz zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen ist die Müllproduktion deutlich geringer als bei vergleichbaren Einrichtungen.

biond

(c) biond

Die biond GmbH bereitet für Schulen und Kindertagesstätten Bio-Mittagessen fast ohne Reste zu und klärt Kinder über den Wert von Lebensmitteln auf.

Bei biond gehört die Vermeidung von Lebensmittelabfällen zum Konzept. Bei der Zubereitung von Speisen für Schulen und Kindertagesstätten entstehen fast keine Reste. Gemüseabschnitte und Putzreste werden für Gemüsefonds genutzt. In den Schulmensen werden vor der Pause nur etwa zwei Drittel der erwarteten Speisen direkt zubereitet, der Rest nur bei Bedarf. Auf Vorbestellung wird verzichtet, stattdessen bietet biond eine freie Auswahl an verschiedenen Buffetstationen. Die Schülerinnen und Schüler dürfen sich dort so oft bedienen, wie sie möchten. Voraussetzung: Sie sollen nach der Mahlzeit einen leeren Teller abgeben. So wird in mehreren Gängen gegessen, statt Berge aufzuladen, die am Ende weggeworfen werden.

Ein „Abfallbarometer“ motiviert die Kinder, keine Lebensmittelabfälle zu produzieren. Wenn eine Woche lang täglich eine festgelegte Gesamtrestemenge unterschritten wird, bekommen sie eine Belohnung. Zusätzlich wurde das „Probierchen“ eingeführt: Die Kinder können sich von jeder Speise eine kleine Probierportion geben lassen. Wenn ihnen das Gericht schmeckt, können sie mehr bekommen. So wird vermieden, dass große Portionen im Müll landen. Mit Erfolg: Laut Institut für Nachhaltige Ernährung und Ernährungswirtschaft an der Fachhochschule Münster entstehen in der biond-Zentralküche pro 100 kg Roh-Lebensmittel nur 2,8 kg Abfall.

Zusätzlich leistet biond Aufklärungsarbeit. In Workshops erfahren Schülerinnen und Schüler, wie sie Reste vermeiden können, zum Beispiel wie sie zu Hause aus Obst- und Gemüseresten leckere Smoothies zubereiten können.

Gasthaus Fischküche Reck

(c) Gasthaus Fischküche Reck

Wie spart ein familiengeführtes Restaurant im à la carte-Bereich Lebensmittelabfälle ein? Indem es ganzheitlich denkt. So wie das Gasthaus Fischküche Reck. Hier können Gäste von fast allen Gerichten kleinere bzw. größere Portionen bestellen. Wer seine Beilage ändert, bezahlt nicht mehr, wird jedoch ein Bestandteil des Gerichts weggelassen, reduziert sich der Preis. Die Speisekarte weist darauf hin, dass der Service Reste auch gerne für zu Hause einpackt. Die Tageskarte beruht auf dem aktuellen Lagerbestand und der erwarteten Gästezahl. Überschüssiges Obst und Gemüse örtlicher Landwirte wird zu Marmeladen und Chutneys verarbeitet.

Darüber hinaus verwerten die Köche Lebensmittel optimal: Aus Abschnitten von Schweinefleisch stellen sie fränkische Bratwürste her. Gemüseschalen und Fleischreste verarbeiten sie ausnahmslos zu Fonds und Suppen. Karpfen, Forellen, Wels, Wildschwein und Reh verarbeitet das Restaurant im Ganzen, um alle Teile verwerten zu können. Das Sous-vide-Garverfahren sorgt dafür, dass gegarte Produkte ohne Verderb auf Vorrat gehalten werden können. Der Verderb frischer Lebensmittel im Lager wird durch mehrere Lieferungen pro Woche vermieden.

Alle diese Maßnahmen benötigen kaum mehr Aufwand als üblich. Bei durchschnittlich 750 Tellergerichten pro Woche produziert das Gasthaus nur etwa 200 bis 240 Liter Küchenabfälle. Darin sind auch alle Reste von den Tellern, Schlachtabfälle von Fischen und ausgekochte Knochen und Gemüse aus Fonds enthalten.

FoodFighters

(c) Michael Schieferstein

FoodFighters e. V. setzt sich vielfältig für mehr Wertschätzung und gegen Verschwendung von Lebensmitteln ein.

„Lebensmittelverschwendung geht jeden an!“: Mit diesem Slogan kämpft der Verein FoodFighters gegen Lebensmittelverschwendung. Er berät Entscheider aus Wirtschaft und Politik sowie Endverbraucherinnen und -verbraucher und führt insbesondere Kinder als Entscheider der Zukunft an dieses wichtige Thema heran.

Mit einem 2013 erstmals gestarteten Schulprojekt ermöglicht FoodFighters e. V. es Kindern aus sozialen Brennpunkten, etwas über die Herkunft von und den nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln zu lernen. Mit diesem Angebot werden Schülerinnen und Schüler sowie das Schulpersonal erreicht. Das Projekt lässt sich auf viele Organisationen übertragen, zum Beispiel auf Kindergärten, Universitäten und soziale Verbände, die Kantinen betreuen. Die Bilanz: Rund 1 575 Tonnen Lebensmittel wurden bisher vor der Vernichtung gerettet.

Darüber hinaus klärt der Verein auf: Durch Medienpräsenz, Veranstaltungen und Aktionen lenkt er die Aufmerksamkeit auf die Themen Wertschätzung und Verschwendung von Lebensmitteln, Nachhaltigkeit und ausgewogene, bewusste Ernährung. Seit mehr als 25 Jahren setzt sich Vereinsgründer Michael Schieferstein und seit rund vier Jahren der Verein ehrenamtlich an Schulen, in karitativen Organisationen, bei Obdachlosen und in Kirchen ein. Er bildet darüber hinaus Jugendliche „aus der zweiten Reihe“ aus, die heute zum Teil als Spitzenköche und als Multiplikatoren tätig sind. Auch politisch engagiert sich der Verein unter anderem für einen Bundesausschuss gegen Lebensmittelverschwendung.

foodsharing

(c) foodsharing

foodsharing bietet Privatpersonen und Betrieben die Möglichkeit, überschüssige Lebensmittel zu retten.

Die Ziele des gemeinnützigen Vereins foodsharing e. V. sind vielfältig: Bewusstsein für das Thema Lebensmittelverschwendung schaffen, Überproduktion senken, allen Menschen ermöglichen, sich selbstständig gegen Lebensmittelverschwendung stark zu machen, Gleichgesinnte zusammenbringen und Leuten in Not helfen.

Zentrales Angebot des Vereins ist die Plattform foodsharing.de. Wer Lebensmittel übrig hat, kann diese hier kostenlos anbieten, statt sie wegzuwerfen. Nutzer können sie in digitale Essenskörbe legen. Diese werden auf einer digitalen Landkarte angezeigt, sodass Interessierte Angebote aussuchen und die Abholung verabreden können. Über die foodsharing-Plattform werden bei 2 300 Betrieben wie Bäckereien, Supermärkten, Großhandel oder Marktständen Lebensmittel abgeholt, die unverkäuflich, aber noch genießbar sind. Dabei wird eng mit den TAFELN zusammengearbeitet. Außerdem steht das Netzwerk in Kontakt mit Bauern, veranstaltet Ernteaktionen und setzt sich für mehr Bewusstsein für regionale Produkte ein. Für Menschen ohne Internetzugang hat foodsharing zudem über 300 Fair-Teiler aufgestellt: Öffentlich zugängliche Kühlschränke und Regale, in die jeder überschüssige, genießbare Lebensmittel stellen kann.

Bei foodsharing engagieren sich 400 Botschafterinnen und Botschafter sowie 14 000 Foodsaver und 115 000 foodsharing-Nutzer ehrenamtlich. Abgeholt und verteilt wurden bereits 3,7 Millionen Kilogramm Lebensmittel.

Erlebnisbauernhof Gertrudenhof

(c) Getrudenhof

Der Erlebnisbauernhof Gertrudenhof setzt sich mit einem ganzheitlichen Ansatz gegen Lebensmittelverschwendung ein – vom Anbau über die Vermarktung bis zur Resteverwertung.

Der Gertrudenhof setzt auf nachhaltigen Anbau ohne Monokulturen und auf mehrere Erntegänge, zum Beispiel beim Kohlanbau. So bleibt zu Kleines und zu Großes nicht auf dem Feld liegen. Beim Lagern verhindern Einrichtungen wie eine Spezialkühlkammer für Speisekartoffeln, dass Lebensmittel vorschnell verderben. Vermarktet wird alles direkt über den Bauernmarkt des Gertrudenhofs in Kooperation mit vielen Partnerhöfen. Hier wird zu reduzierten Preisen auch Obst und Gemüse mit Macken oder seltsamer Form angeboten. Was sich nicht mehr verkaufen lässt, kommt in den Fair-Teiler der Organisation foodsharing e. V., der auf dem Hof steht. Aus diesem Kühlschrank können sich Besucherinnen und Besucher kostenlos bedienen. Zudem arbeitet der Hof mit Vereinen wie Taste of Heimat e. V., Slow Food Deutschland und der Welthungerhilfe zusammen.

Der Gertrudenhof klärt außerdem auf: durch Beratung im Bauernmarkt oder auf dem Schulbauernhof mit Führungen, Nachernteaktionen und Kochevents. Das Ziel: Durch Erleben auf dem Hof begeistern und so das Einkaufs- und Konsumverhalten nachhaltig verändern.

Die Bilanz: Alles wird vermarktet und Übriges über den Fair-Teiler gerettet – täglich etwa eine halbe Palette Lebensmittel. Zudem bietet der Schulbauernhof jährlich über 1 000 Führungen für Schulklassen und Kindergärten an und klärt damit etwa 15 000 Kinder über den Wert von Lebensmitteln auf.

IM ANGEBOT & SALT Solutions

(c) IM ANGEBOT e. K.

Der Einzelhändler IM ANGEBOT e. K. bietet mit Unterstützung der SALT Solutions GmbH Lebensmittel an, die verzehrfähig, aber nahe am Mindesthaltbarkeitsdatum oder darüber sind.

Viele Lebensmittel, die nahe am Mindesthaltbarkeitsdatum sind, werden weggeworfen, bevor sie den Handel erreichen. Oder sie werden dort aussortiert, sobald neue Ware eingetroffen ist. Nicht so bei IM ANGEBOT e. K.: Das Einzelhandelsunternehmen nimmt einwandfreie Lebensmittel vor oder gar nach Ablauf der Haltbarkeit von Produzenten direkt und von Händlern entgegen und verkauft sie über ein eigenes Filialnetz in Leipzig und Umgebung. Für dieses Geschäftsmodell ist eine andere Beschaffungs- und Einkaufsstrategie notwendig und eine Logistik, die umgehend auf die Warenanmeldungen reagiert und zügig die Filialen beliefern kann.

Die dafür notwendige IT wurde von SALT Solutions GmbH entwickelt und bereitgestellt. Ein spezielles Logistiksystem für den Einzelhandel sorgt dafür, dass sich alle Lager- und Transportprozesse optimal aufeinander abstimmen lassen, sodass bei der Planung und Steuerung alles glatt läuft. Damit bildet die Softwarelösung in Kombination mit der Geschäftsidee von IM ANGEBOT die Grundlage für die Rettung der Lebensmittel.

Gestartet als kleiner Marktstand auf dem Leipziger Wochenmarkt, betreibt IM ANGEBOT mittlerweile fünf Filialen. Insgesamt werden dort durchschnittlich sechs bis acht Tonnen Lebensmittel pro Tag vor dem Müll gerettet und zu stark reduzierten Preisen angeboten. Das Unternehmen versorgt so auch Menschen mit geringem Einkommen mit Lebensmitteln, die für sie zu normalen Preisen nicht erschwinglich wären.

Münchner Kindl Senf

(c) Münchner Kindel Senf

Die Münchner Kindl Senf GmbH verarbeitet gemeinsam mit verschiedenen Biobäckereien überschüssige Senfschalen zu Senfbrot.

In der dritten und vierten Generation werden Senfe und Soßen bei Münchner Kindl Senf hergestellt. Eine Maßgabe dabei ist eine möglichst geringe Abfallquote. Da bei der Herstellung von Dijon Senf beim Aussieben der Saaten als Abfallprodukt Senfschalen anfielen, wurde überlegt, wie man diese sinnvoll nutzen könne. Nach langem Ausprobieren und vielen Verkostungen entstand schließlich das Senfbrot.

Von den monatlich 1 000 kg Senfschalen, die früher weggeworfen werden mussten, werden so aktuell rund 100 kg verarbeitet. Daraus fertigen unter anderem die ortsansässige Fritz Mühlenbäckerei sowie die Bäckerei Nau etwa 60 Brote, Tendenz steigend. Da es sich um Lebensmittelreste aus der direkten Produktion handelt, können die Senfschalen einfach geliefert oder abgeholt werden. In den Bäckereien und bei Münchner Kindl Senf ist das Senfbrot so einkalkuliert, dass es neben den täglich anfallenden Arbeiten ohne Mehraufwand mit im Arbeitsfluss produziert werden kann. Das schont ebenfalls Ressourcen.

Um auch die restlichen Senfschalen zu verwerten und auf die Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen, wird aktuell daran gearbeitet, dass auch Bio-Supermärkte das Brot ins Sortiment aufnehmen.

Marmelade für Alle!

(c) Marmelade für Alle

Marmelade für Alle! ist eine Kampagne der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. Sie rettet Obst vor dem Verderb, indem sie daraus Köstlichkeiten kocht.

Die Aktivistinnen und Aktivisten von Marmelade für Alle! fragen bei Gartenbesitzerinnen und -besitzern nach nicht geernteten Früchten und im Handel nach Früchten, die wegen Macken oder ihrer Form aussortiert werden. Daraus kochen die meist jungen Beteiligten Marmelade und lernen dabei heimische Früchte und ihre Verarbeitung kennen. Beim gemeinsamen Kochen kommt das Gespräch automatisch auf Lebensmittelverschwendung und Zusammenhänge zwischen Konsumgewohnheiten, Welthandel und möglichen Hungerproblematiken, wie zum Beispiel im Rahmen der letzten Deutschen Evangelischen Kirchentage.

Die produzierten Köstlichkeiten werden direkt oder später bei Gruppenaktivitäten wie Freizeiten und Seminaren gegessen. Was zu viel ist, kann als besonderes Geschenk oder Tauschobjekt eingesetzt werden.

Marmelade für Alle! will die Wertschätzung für Lebensmittel steigern und Menschen motivieren, die Ressourcen vor ihrer Haustür zu nutzen. Mit Genuss und Spaß wird für einen nachhaltigen, verantwortungsbewussten Umgang mit Lebensmitteln sensibilisiert. Im Fokus stehen Kinderund Jugendgruppen: ob bei öffentlichen Veranstaltungen, in Gemeindegruppen oder Camps. Umsetzbar ist die Aktion aber in jeder Küche – egal ob im Privaten, im Gemeinde- oder Jugendzentrum oder im Zeltlager.

Maritim Hotelgesellschaft

(c) Maritim Hotelgesellschaft

Die Maritim Hotelgesellschaft mbH überwacht die eigenen Lebensmittelabfälle an vier Standorten zusammen mit der Universität Stuttgart – und hat die Wegwerfmengen stark reduziert.

Ob Frühstücksbuffet oder Großveranstaltungen: Die Lebensmittelabfälle in vier Maritim Hotels werden jeden Tag genau erfasst. Das Küchen- oder Servicepersonal wiegt dazu die Reste mit der Feedbackwaage „ResourceManager-FOOD“ aus. Forscher der Universität Stuttgart haben sie in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Kompetenzzentrum für Ernährung entwickelt. Gefördert wurde das Projekt durch das bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Sie erfasst die Lebensmittelabfälle nicht nur, sondern wertet sie auch aus und visualisiert sie in Echtzeit auf einem Bildschirm. Dies sensibilisiert das Personal für das Problem, das zum Thema Lebensmittelverschwendung zuvor geschult wurde. Gleichzeitig liefert die Feedbackwaage Informationen für eine bedarfsgerechte Vor- und Zubereitung im Küchenbereich. Das Projekt läuft seit 2014 und wird unter anderem ergänzt durch das Engagement der Hotelgesellschaft im Rahmen der Aktivitäten von United Against Waste e. V.

Das Ergebnis: Die Lebensmittelabfälle am Frühstücksbuffet eines Maritim Hotels wurden dauerhaft um 80 Prozent reduziert. Es gibt dort inzwischen auch rund ein Viertel weniger Abfallbehälter. Gegen Ende des Frühstücks- und Mittagsbuffets wird nun weniger produziert als vor den Messungen – eine Reaktion auf die schwächere Nachfrage gegen Ende der Buffetzeiten. Auch Portionsgrößen einzelner Gerichte und Beilagen wurden angepasst – und somit weniger eingekauft. Das Ziel: Die Abfälle sollen dauerhaft niedrig bleiben. Die Universität Stuttgart validiert alle Messungen.

Nimm mich zuerst!

(c) Noelle Gangloff

Das Konzept „Nimm mich zuerst!“ von Noelle Gangloff unterstützt Supermärkte bei der Vermarktung von Lebensmitteln, die nicht mehr lange haltbar sind.

Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum in Kürze abläuft, landen in Supermärkten häufig im Abfall, obwohl sie noch genießbar wären. Die Idee von „Nimm mich zuerst!“: Diese Lebensmittel werden mit einem Sticker mit der Aufschrift „Nimm mich zuerst. Ich schmecke lecker. Ich bin unbedenklich.“ gekennzeichnet. Ein Roll-up weist zusätzlich auf die Preisreduzierung dieser Produkte hin. Dahinter steht ein Belohnungssystem: Die Käuferinnen und Käufer erhalten für jedes gekennzeichnete Produkt einen Stempel auf einer Stempelkarte. Wer diese voll hat, erhält einen Einkaufsgutschein im Wert von 5 Euro, der direkt eingelöst werden kann.

Der Vorteil für den Handel: Er reduziert die Ausschussware, schont Ressourcen und spart Entsorgungskosten. Zudem kommuniziert er ein nachhaltiges Qualitätsbewusstsein. Auch der direkte Discountcharakter wird vermieden. Das Konzept fördert die Kundenbindung, da die Kunden durch die Stempelkarte animiert werden, gezielt bei diesem Unternehmen einzukaufen. Sie sparen durch die Preisreduzierung Geld und werden zusätzlich mit dem Einkaufsgutschein belohnt.

Noelle Gangloff entwickelte „Nimm mich zuerst!“ im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der Köln International School of Design. Im Juli 2015 fand das Pilotprojekt bei EDEKA Zielke in Willich statt. Seit Beginn des Projekts wurden 8 Prozent weniger Molkereiprodukte weggeworfen, pro Monat sind das circa 220 Euro weniger Verlust. Zudem hat EDEKA Zielke 9,8 Prozent mehr Ertrag bei den reduzierten Produkten erzielt.

Restlos Glücklich

(c) Restlos Glücklich

Köstliche und kreative Gerichte aus geretteten Lebensmitteln – das ist das Konzept von RESTLOS GLÜCKLICH.

Das Restaurant will vorwiegend mit aussortierten Lebensmitteln von Supermärkten, dem Groß- und Einzelhandel und auch von Bauern kochen, die aus ästhetischen oder anderen Gesichtspunkten nicht mehr verkauft werden. Das soll die Wertschöpfung dieser Lebensmittel verlängern und verhindern, dass diese im Abfall enden. Den Gästen soll das Konzept vor Augen führen, dass aussortierte Lebensmittel noch völlig genießbar sind, und so für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln sorgen. Das Restaurant ist als gesellschaftliches Gemeinschaftsprojekt geplant. Nur ein Koch und eine Restaurantleitung werden bezahlt, die Servicekräfte und Küchenhilfen arbeiten wie das Kernteam ehrenamtlich.

Die erwirtschafteten Gewinne sollen in ein Bildungsangebot fließen: Erwachsene werden in Kochkursen lernen, selbst wieder kreativer mit Resten umzugehen. Sie lernen beispielsweise, dass man aus altem Brot, braunen Bananen und zu reifem Obst noch leckere Brotchips, Bananenbrot oder Chutney zaubern kann. Und sie bekommen Tipps, wie man durch geplante Einkäufe und die richtige Lagerung Lebensmittelabfälle im eigenen Haushalt vermeiden kann. Auch für Kinder und Jugendliche soll es Kochkurse sowie spielerische Lernangebote zum Thema Lebensmittelverschwendung und zur Herkunft unseres Essens geben.

Eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne hat den Grundstein für die Finanzierung gelegt, die Suche nach weiteren Sponsoren läuft. Zusätzliches Kapital erwirtschaftet das Team, indem es Caterings anbietet.

Schnippeldisko

(c) Janne Tervonen

Slow Food Youth Deutschland rettet mit der Schnippeldisko verformtes, aber schmackhaftes Gemüse vor der Tonne und hat damit eine kulturübergreifende, virale Bewegung geschaffen.

Zweibeinige Möhren oder Äpfel mit Druckstellen sind zu wertvoll, zu schön und zu nahrhaft, um weggeworfen zu werden. Nicht zuletzt, weil für deren Produktion natürliche Ressourcen und Arbeitszeit verbraucht wurden. Gemüse wird zunächst direkt beim Erzeuger eingesammelt, dann während einer öffentlichen Veranstaltung mit coolen Beats eines DJ, z. B. von der Green Music Initiative, geschnippelt und schließlich zu einem genussvollen Mahl verarbeitet.

Slow Food Youth versteht die Schnippeldisko als eine kulinarische Protestaktion, die darauf abzielt, das Bewusstsein zum Thema Lebensmittelverschwendung und anderen Prozessen des Lebensmittelsystems zu schärfen. Viel zu oft bleiben vermeintlich unverkäufliche Ernterückstände auf den Feldern liegen. Mit dem Aktionsformat sollen Verbraucherinnen und Verbraucher dafür sensibilisiert werden, dass Gemüse und Obst auch dann gut schmeckt, wenn es nicht den Marktnormen entspricht.

Die Schnippeldisko wurde 2012 von Aktivisten des Slow Food Youth Deutschland Netzwerkes initiiert und bisher schon in über 20 Ländern durchgeführt – z. B. in den USA, Südkorea, Brasilien und Kenia. Viele tausend Tonnen Gemüse wurden so gerettet und andere Aktionen wie die Disco-Soup-Bewegung in Frankreich dadurch inspiriert. Das Format wurde u. a. auf der EXPO 2015 präsentiert und im Rahmen des UN-Preises Champions of Earth lobend erwähnt.

The Good Food

(c) Anja Heppekausen

Das Start-up THE GOOD FOOD verkauft Lebensmittel weiter, die in der Industrie, bei der Produktion und in der Landwirtschaft aussortiert werden.

So wie es dem Landwirt am Herzen liegt, dass sein Gemüse gegessen wird, schmeißt auch der Produzent ungern Lebensmittel weg. Das Start-up THE GOOD FOOD bietet dafür eine gute Lösung. Lebensmittel, die nicht mehr so schön aussehen oder eine seltsame Form haben, bekommen beim Verkauf auf Straßenfesten und Märkten eine zweite Chance.

THE GOOD FOOD verkauft auch Waren, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Schließlich ist der Stichtag kein Wegwerfdatum: Er gibt lediglich an, dass das Lebensmittel seine spezifischen Eigenschaften wie Farbe, Geschmack und Konsistenz bis dahin bei richtiger Lagerung behält. Aus rechtlicher Sicht ist der Verkauf von solcher Ware erlaubt, solange die Kunden darüber informiert und aufgeklärt sind, dass das Produkt bereits abgelaufen ist und für die Lebensmittelsicherheit gesorgt wurde.

Das Ziel des Start-ups: Einen Supermarkt mit Lebensmitteln eröffnen, die ansonsten entsorgt würden. In einer integrierten Küche im Markt soll aus unverkäuflichem, aber genießbarem Obst und Gemüse leckeres Essen gekocht werden. Das Projekt startete im Oktober 2014. Die bisherigen Testverkäufe zeigen, dass die Idee auf Interesse stößt. Durch das geplante Ladenlokal könnten jährlich mehrere Tonnen Lebensmittel vor dem Müll gerettet werden.

ugly fruits

(c) ugly fruits

Durch regionale Vermarktung gibt „ugly fruits“ krummem, zu kleinem oder zu großem Obst und Gemüse eine zweite Chance.

„ugly fruits“ – das ist zu kleines, zu großes oder zu krummes Obst und Gemüse. In Supermärkten verkauft wird es nur selten. Das Projekt „ugly fruits“ bringt es wieder an die Kunden. Seit 2013 beliefert das soziale Unternehmen in Berlin und München unter anderem Kitas und Schulen mit derzeit wöchentlich 300 kg „ugly fruits“ – Tendenz steigend. Dafür nimmt ugly fruits regionalen Bio-Landwirtschaftsbetrieben die saisonalen Produkte ab, die als „nicht vermarktbar“ eingestuft werden. Die Partnerbetriebe schätzen, dass dies im Durchschnitt etwa 20 bis 40 Prozent jeder Ernte betrifft.

Die Vermarktung der „ugly fruits“ soll die vermeidbare Lebensmittelverschwendung reduzieren und für einen effizienteren Umgang mit Ressourcen sorgen. Den Landwirten eröffnet die Verwertung zusätzliches Einkommen. Die Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren, da die „ugly fruits“ preiswerter als „normales“ Obst und Gemüse angeboten werden können. Das ermöglicht beispielsweise Einrichtungen mit einem knappen Einkaufsbudget den Kauf von Bio-Lebensmitteln. Darüber hinaus soll das Projekt für die Vielfalt der Natur sensibilisieren und saisonalen Konsum fördern.

Das Projekt leistet zudem Bildungs- und Aufklärungsarbeit. Durch gemeinschaftliche Aktionen wie dem „Essensretterbrunch“ oder die Belieferung von Festivals wurden 2015 knapp fünf Tonnen „ugly fruits“ gerettet. Aktionen sowie Bildungsmaterialien für Kitas schaffen Bewusstsein für die Thematik und tragen dazu bei, auch auf individueller Ebene Lebensmittelabfälle zu reduzieren.

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