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Die Nominierten

Innovationen gegen Lebensmittelverschwendung: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) nominiert 18 Projekte aus ganz Deutschland für den Zu gut für die Tonne!-Bundespreis. Die Auszeichnung wird am 3. April durch Bundesministerin Julia Klöckner in Berlin vergeben.

Die Nominierten sind:

Handel
ALDI SÜD für den „Mindesthaltbarkeitsdatum-Hinweis auf Milchpackungen“ (Mülheim
an der Ruhr, NRW)

Edeka Dirnberger für den „Lebensmittel Fair-Teiler“ (Wenzenbach, Bayern)
Penny Markt GmbH für „Kostbares retten“ und „Naturgut Bio-Helden“ (Köln, NRW)

Gastronomie
Cassius Garten für „Alles aufessen“ (Bonn, NRW)
Frischküche Stefan Gerhardt für „Nachhaltiges Handeln für Schüler und mit den
Schülern“ (Sassenburg, Niedersachsen)

Studierendenwerk Ulm für „Happy Hour“ (Ulm, Baden-Württemberg)

Landwirtschaft und Produktion
Netzwerk UNSER LAND für „Krummes Gemüse, perfekte Qualität – UNSER LAND
Bio Suppen“ (Esting, Bayern)

ShoutOutLoud e.V. für „Frankfurter Knärzje – Ein Brotbier gegen die Lebensmittelverschwendung“  (Frankfurt, Hessen)
Veggiespecials für „Tofu Mama – Rettet Tofu-Waisenkinder“ (Köln, NRW)

Gesellschaft und Bildung

Ackerdemia für „Ackern schafft Bildung“ (Potsdam, Brandenburg)
Berliner Tafel für „KIMBA“ (Berlin)
Heimatverein Keppeln für „Fallobst ist kein Abfall“ (Keppeln, NRW)

Digitalisierung
Marktschwärmer (Berlin)
Noyanum und verschiedene Studierendenwerke für „Absatzprognosen für die Hochschulgastronomie“
(Garching, Bayern)

Too Good to Go (Berlin)

Förderpreis
Antegon GmbH für „FoodTracks“ (Münster, NWR)
Bioland Gemüsehof Hörz für „Bodenschätze“ (Filderstadt, Baden-Württemberg)
nXm film production (Melanie Hauke und Nina Lorenzen) für „Zero Waste Cooking mit Sophia Hoffmann“ (Berlin)

 

 

MHD-HINWEIS AUF MILCHPACKUNGEN

(c) ALDI
(c) ALDI

ALDI SÜD DIENSTLEISTUNGS-GMBH & CO. OHG, LEBENSMITTELEINZELHANDEL,
MÜLHEIM AN DER RUHR (NORDRHEIN-WESTFALEN)

Kann man Joghurt noch essen, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist? In vielen
Haushalten landen Lebensmittel aus Unsicherheit darüber im Mülleimer, obwohl sie noch genießbar
sind. ALDI SÜD will seine Kunden dafür sensibilisieren, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum nichts
darüber aussagt, ob die Produkte noch gegessen werden können. Auf verschiedenen Molkereiprodukten findet sich deshalb jetzt der Hinweis „Riech mich! Probier mich! Ich bin häufig länger gut!“.

Alles begann im Frühjahr 2018 mit einem Pilotprojekt in Bayern: ALDI SÜD druckte den Hinweis
in 400 Filialen auf seine Milfina-Frischmilch-Verpackungen. Kunden sollten immer erst den
Geruchs- und Geschmackstest machen, bevor sie entscheiden, ob sie die Milch wegschütten, nur
weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist. Wie das bei den Kunden ankam, wurde per
Umfrage ermittelt. Das Ergebnis war eindeutig: Der Hinweis kam gut an und viele Kunden gaben
an, ihr Verhalten entsprechend zu ändern. ALDI SÜD führte den Hinweis auf der Milch daraufhin
deutschlandweit ein und druckt ihn zudem auch auf weitere Molkereiprodukte wie Käse und
Frischkäse.

(c) EDEKA / Raphael Dirnberger
(c) EDEKA / Raphael Dirnberger

EDEKA MAX DIRNBERGER E. K., LEBENSMITTELEINZELHANDEL, WENZENBACH (BAYERN)

Verbeulte Konserven, Obst mit Druckstellen oder abgelaufene Schokolade: Was andernorts oft
weggeschmissen wird, landet bei EDEKA Dirnberger seit 2016 im Fair-Teiler. In die am Eingang gut
sichtbar aufgestellten Boxen kommen alle Waren, die nicht mehr verkauft, aber kostenlos mitgenommen werden können. Auch wenn die Verpackungen beschädigt sind, die Produkte Schönheitsfehler haben oder das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, können die Lebensmittel noch bedenkenlos verwendet werden.

EDEKA Dirnberger ist ein Familienunternehmen in dritter Generation und setzt in seinen beiden
Lebensmittelmärkten in Wenzenbach und Bernhardswald auf Regionalität und Nachhaltigkeit.
Ein besonderes Anliegen ist es, Lebensmittelverschwendungen zu vermeiden und Müll zu reduzieren.
Deshalb wird alles, was nicht mehr verkauft werden darf oder kann, an Kundinnen und
Kunden verschenkt. Mehrmals pro Tag füllen die Mitarbeitenden die Fair-Teiler mit aussortierten
Lebensmitteln auf und bis zum Abend sind diese in der Regel komplett leer.

(c) PENNY
(c) PENNY

PENNY MARKT GMBH, LEBENSMITTELEINZELHANDEL, KÖLN (NORDRHEIN-WESTFALEN)

Kleinwüchsige Tomaten, grünliche Zitronen oder krumme Möhren: Seit 2016 kommt bei PENNY
auch Bio-Obst und -Gemüse mit Schönheitsfehlern ins Regal. Unter der Eigenmarke Naturgut
Bio-Helden vermarktet der Discounter deutschlandweit optisch nicht perfektes Obst und Gemüse.
Davon profitieren Kunden und Erzeuger gleichermaßen. Bei den Kunden steigt die Wertschätzung
von Lebensmitteln, da sie erfahren, dass Obst und Gemüse nicht perfekt aussehen müssen, um gut zu
schmecken. Erzeuger können mehr Ware in Bio-Qualität zu angemessenen Preisen vermarkten und
gleichzeitig sinkt der Sortieraufwand.

Die Bio-Helden sind inzwischen so beliebt, dass PENNY das Angebot von 13 auf – je nach Saison
– bis zu 21 Artikel erhöht hat. Seit 2018 sind zudem die Naturgut Junior-Helden im Angebot. Diese
stammen von Bauern, die beim Obstanbau auf ökologischen Landbau umgestiegen sind und einen
angemessenen Aufpreis für ihre Umstellungsware erhalten. Wer die Junior-Helden kauft, unterstützt
auch die Ausweitung der Bio-Anbauflächen.

Auch die Verpackungen der Molkereiprodukte der PENNY-Eigenmarke haben sich verändert: Sie sind
mit einem deutlichen Hinweis versehen, dass sie womöglich nach Ablauf des Mindesthaltbarkeits-datums noch verzehrt werden können. Die Verbraucher werden mit dem Hinweis: „Riechen. Probieren.
Genießen.“ ermuntert, ihren eigenen Sinnen zu trauen, damit kostbare Lebensmittel nicht vorschnell
entsorgt werden. Die Kampagne „Kostbares retten“ startet mit sieben Produkten darunter Milch,
Joghurt, Sahne und Butter; weitere sollen folgen.

(c) Cassius Garten
(c) Cassius Garten

CASSIUS GARTEN GMBH, EINZELUNTERNEHMEN, BONN (NORDRHEIN-WESTFALEN)

Der Cassius Garten ist ein vegetarisches Vollwert-Restaurant mit eigener Konditorei und einer
Selbstbedienungstheke. Das Essen der Gäste wird nach Gewicht berechnet. So kommt nur auf den
Teller, was wirklich gegessen wird. Das spart eine Menge Abfall. In der Küche wird fast alles hausgemacht und alle Lebensmittel werden komplett verwertet. Getreide mahlen, Brötchen backen und Gemüse schneiden – alles liegt in einer Hand. Der Einkauf wird genau geplant, es wird täglich frisch
angeliefert und aus den Resten zaubert der Koch ein Überraschungsessen für den nächsten Tag.

In der Ausgabetheke werden nur kleine Mengen bereitgestellt und der Koch produziert bei Bedarf
nach. Das Essen ist damit immer frisch und es bleibt wenig übrig. Und das, was doch übrigbleibt,
wird eine Stunde vor Feierabend zu einem um 40 Prozent reduzierten Preis verkauft. In der letzten
Viertelstunde startet dann die Aktion „Alles aufessen“. Die Gäste dürfen einen 1-Liter-Mitnahmebehälter mit den Speisen vom Buffet füllen und bezahlen dafür pauschal fünf Euro.

Damit schafft es der Cassius Garten, fast sein gesamtes Essensangebot an die Gäste zu bringen und nichts wegzuwerfen.

(c) Frischküche Stefan Gerhardt
(c) Frischküche Stefan Gerhardt

FRISCHKÜCHE STEFAN GERHARDT E. K., EINZELUNTERNEHMEN, SASSENBURG (NIEDERSACHSEN)

Bei Stefan Gerhardt und seinem Team ist der Firmenname Programm: Alle Gerichte für die Schüler
werden frisch zubereitet, nichts wird lange warmgehalten, es gibt jeden Tag viel Obst und Gemüse.
Und der ehemalige Sternekoch bekocht die Schülerschaft der Integrierten Gesamtschule Sassenburg
und der Wilhelm-Bracke-Gesamtschule nicht nur, sondern sensibilisiert sie auch für einen nachhaltigen
und bewussten Umgang mit dem, was auf den Tisch kommt.

So müssen die Schülerinnen und Schüler ihre Essensreste zum Beispiel in durchsichtige Abfallbehälter
entsorgen. Dadurch wird sichtbar, wie viel weggeschmissen wird. Das sensibilisiert die Kinder und sie
nehmen sich nur noch so viel, wie sie wirklich essen. Damit wurden die Abfälle um etwa 80 Prozent
reduziert.

Nachhaltig kochen bedeutet für die Frischküche auch, jeden Tag ein vegetarisches und ein veganes
Gericht anzubieten. Eingekauft wird bevorzugt bei regionalen Lieferanten. In einer Koch-AG kochen
die Schülerinnen und Schüler gemeinsam. Sie stellen zum Beispiel Ketchup oder Vollkornspätzle
selbst her und lernen, alle Lebensmittel komplett und fast ohne Abfälle zu verarbeiten. Um sich
eingehend mit Lebensmittelverschwendung auseinanderzusetzen, arbeiten sie auch mit dem
Schulmaterial von Zu gut für die Tonne!.

(c) Studierendenwerk Ulm
(c) Studierendenwerk Ulm

STUDIERENDENWERK ULM, ANSTALT DES ÖFFENTLICHEN RECHTS, ULM (BADEN-WÜRTTEMBERG)

Etwa 2.500 Studierende und Mitarbeitende der Universität kommen täglich zum Mittagessen in
die Mensa des Studierendenwerks Ulm. Bis 2016 waren immer noch eine Menge Reste übrig, wenn
die Mensa um 14 Uhr schloss. Essen, das bereits erwärmt war oder in Ausgabetheken lag, darf aus
lebensmittelhygienischen Gründen nicht weiterverwendet werden.

Die Ulmer Happy Hour ist genau genommen eine Happy Quarter: Was um 13.45 Uhr noch übrig ist,
wird zu reduzierten Preisen verkauft. So zahlt man dann nur noch 45 Cent pro 100 Gramm – egal,
ob es Fleisch, Nudeln oder Gemüse gibt. Normalerweise kosten diese Gerichte zwischen 0,89 und
1,89 Euro je 100 Gramm.

Die Aktion wurde von Anfang an gut angenommen. Seit der Einführung der Happy Hour im April 2017
konnten mehr als zehn Tonnen Lebensmittel vor der Abfalltonne gerettet werden. Hinzu kommen
rund 20.000 Schälchen mit Salat und Desserts, die ebenfalls verbilligt verkauft wurden. Manchmal
bilden sich lange Schlangen, aber immer gilt: Es gibt nur Reste, es wird nichts nachproduziert. Was
weg ist, ist weg – und zum Glück nicht in der Tonne gelandet.

(c) Unser Land
(c) Unser Land

NETZWERK UNSER LAND, ESTING (BAYERN)

Eine Karotte ist eine Karotte! Das jedenfalls sollte man meinen. Doch leider schafft es nicht jede
Karotte in den Supermarkt. Denn dort gelten oft strenge Regeln und Normen: Die Karotte darf
nicht zu krumm, die Zwiebel nicht zu klein und die Kartoffel nicht zu groß sein. Gemüse, das diesen
Ansprüchen nicht gerecht wird, wird meist zu Tierfutter verarbeitet, landet in Kompostanlagen oder
wird auf dem Acker untergepflügt.

Gegen diese Verschwendung von wertvollem Gemüse engagiert sich UNSER LAND. Das regionale
Netzwerk suchte nach einer sinnvollen Lösung für den vermeintlich unbrauchbaren Teil der Ernte
seiner Bio-Landwirte. Die Helden der Gemüserettung waren Landwirte und Köche aus dem Netzwerk.
Sie hatten 2012 die Idee, nicht normgerechtes Gemüse zu Suppen zu verarbeiten. Gekocht wird
ohne Konservierungsstoffe, Hefeextrakt oder Geschmacksverstärker – nur mit dem, was die Natur
zu bieten hat. Sechs Sorten BIO Suppen erfreuen sich inzwischen großer Beliebtheit und werden in
Supermärkten angeboten.

Das Gemüse wird regional erzeugt, verarbeitet und gehandelt. Das Netzwerk besteht aus zehn
Solidargemeinschaften, der Vermarktungsgesellschaft UNSER LAND GmbH und mehr als 300
landwirtschaftlichen Betrieben.

(c) ShoutOutLoud e.V.
(c) ShoutOutLoud e.V.

SHOUTOUTLOUD E. V., GEMEINNÜTZIGER VEREIN, FRANKFURT AM MAIN (HESSEN)

Brot gehört zu den Lebensmitteln, die nach Obst und Gemüse am häufigsten weggeworfen werden.
Dabei ist altbackenes Brot noch vielseitig verwendbar. Zum Beispiel zum Bierbrauen. Der Verein
ShoutOutLoud e.V. engagiert sich seit vielen Jahren gegen Lebensmittelverschwendung und hatte
2018 die Idee für das regionale Brotbier. Hergestellt wird es in Kooperation mit den Frankfurter
Brauereien Brewids Getränkespezialitäten und BrauStil.

Der Clou: Übriggebliebenes Brot von einem Biobäcker, das sonst in der Tonne gelandet wäre, ersetzt
ein Drittel des Malzes, das normalerweise für den Brauprozess benötigt wird. Das Brotbier ist das
Ergebnis mehrerer Experimente mit unterschiedlichen Brotsorten und Rezepturen. Und wie es sich
für ein regionales Produkt gehört, trägt es einen hessischen Namen: Knärzje nennt man in Hessen das
Endstück des Brotes. Bisher ist das Brotbier das erste seiner Art in Deutschland.

(c) Veggiespecials/Mathias Beuger
(c) Veggiespecials/Mathias Beuger

VEGGIESPECIALS, EINZELUNTERNEHMEN, KÖLN (NORDRHEIN-WESTFALEN),
IN KOOPERATION MIT TAIFUN TOFU GMBH, FREIBURG (BADEN-WÜRTTEMBERG)


Bei der Produktion von Tofu passieren, wie bei anderen Lebensmitteln auch, immer wieder kleine
Missgeschicke technischer oder menschlicher Art. So können zum Beispiel Konsistenz, Größe und
Farbe der Produkte von der Norm abweichen, die Etiketten sind fehlerhaft bedruckt oder das Produkt
wiegt etwas weniger, als auf der Verpackung angegeben. Solche Ware darf aus vertraglichen Gründen
oft nicht mehr über die klassischen Vertriebswege verkauft werden. Dabei schmeckt der Tofu immer
noch genauso gut und es besteht keinerlei Risiko für die Lebensmittelsicherheit.

Mit „Tofu Mama – Rettet Tofu-Waisenkinder“ haben zwei Unternehmen gemeinsam eine Lösung
gefunden, ausgemusterten Tofu weiterzuverkaufen statt wegzuwerfen. Können oder dürfen Tofu-
Produkte nicht mehr über die regulären Vertriebswege des Tofu-Herstellers Taifun Tofu GmbH
verkauft werden, werden diese an Veggiespecials geschickt. Der Onlinehandel vertreibt ausschließlich
aussortierte und gerettete Lebensmittel. Veggiespecials etikettiert den Tofu unter der Marke Tofu
Mama entsprechend um – zum Beispiel mit der tatsächlichen Gewichtsangabe – und versieht ihn
mit neuen kreativen Namen wie „Super Super Softie“ (Seidentofu), „Rote Zora“ (Paprikatofu) oder
„Wiener Randalierer“ (Tofu-Wiener).

Diese Tofu-Waisenkinder sind im Onlineshop von Veggiespecials erhältlich – zu einem viel niedrigeren
Preis. Damit werden die Produkte für noch mehr Menschen interessant und schaffen ein breiteres
Bewusstsein für nachhaltige, bio-vegane Ernährung.

Ackerdemia e.V.
Ackerdemia e.V.

ACKERDEMIA E.V., GEMEINNÜTZIGER VEREIN, POTSDAM (BRANDENBURG)

Ackern schafft Wissen! Unter diesem Motto sensibilisiert das Ackerdemia-Team Kinder dafür,
woher unser Essen genau kommt und wie man es anbaut. Herzstück des Vereins ist das ganzjährige,
vielfach ausgezeichnete Bildungsprogramm GemüseAckerdemie für Schulen und Kitas. Kinder und
Jugendliche bauen Gemüse nach ökologischen Kriterien an – auf dem eigenen Schul- oder Kitaacker
oder als GemüseKlasse im Unterrichtsraum. Die Kinder erleben hautnah, wie Gemüse wächst, entwickeln mehr Wertschätzung für Lebensmittel und werfen weniger weg – das belegt die jährliche
Wirkungsstudie des Vereins.

Hinter Ackerdemia e.V. steht ein interdisziplinäres Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen. Die Finanzierung wird dauerhaft über ein sogenanntes Matchfunding-Modell gesichert – basierend auf einem solidarischen Eigenanteil der Bildungseinrichtungen und Mitteln von Kommunen, Stiftungen oder Unternehmen. Seit der Gründung 2014 hat die GemüseAckerdemie mit mehr als 16.000 Kindern in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz geackert – Tendenz steigend: Knapp 400 Schulen und Kitas sind im Ackerjahr 2019 dabei!

(c) Berliner Tafel e.V.
(c) Berliner Tafel e.V.

BERLINER TAFEL E. V., GEMEINNÜTZIGER VEREIN, BERLIN

KIMBA steht für „Kinder-IMBiss-Aktiv“ und ist der Kinder- und Jugendbereich der Berliner Tafel, die
seit 1993 Lebensmittelspenden in ganz Berlin einsammelt und zu denen bringt, die diese brauchen.
KIMBA bietet Kochkurse an, in denen Kinder und Jugendliche lernen, mit Lebensmitteln umzugehen.
Sie sehen, fühlen, riechen, schmecken und werden ganz nebenbei dafür sensibilisiert, Lebensmittel
wertzuschätzen. Teilnehmen können alle Kinder und Jugendlichen, unabhängig von der finanziellen
Situation ihrer Eltern.

Gekocht und gegessen wird gemeinsam – im KIMBAexpress, einem umgebauten Eisenbahnwaggon
mit Kinderküche, dem KIMBAmobil, einem Doppeldeckerbus mit Küche und gemeinsamer Tafel oder
im Winter bei KIMBAschule. Hier kommt das KIMBA-Team in die Schulen und kocht dort mit den
Klassen.

Gemeinsam mit einem Koch und seinem Team bereiten die Kinder und Jugendlichen frische, vegetarische Speisen zu. Dazu gibt es Tipps, wie man Reste vermeidet und Lebensmittel richtig aufbewahrt, so dass nichts weggeschmissen werden muss. Die Zutaten stammen zum großen Teil aus der geretteten Ware der Berliner Tafel. Die einfachen Rezepte sind leicht erlernbar und die Kinder können sie zu Hause nachkochen. Die Nachfrage ist riesig: Jedes Jahr kochen etwa 4.000 Kinder mit KIMBA und die Wartelisten werden immer länger.

(c) Heimatverein Keppel e.V.
(c) Heimatverein Keppel e.V.

HEIMATVEREIN KEPPELN E. V., GEMEINNÜTZIGER VEREIN, UEDEM (NORDRHEIN-WESTFALEN)

Früher konnten Besitzer von Obstwiesen am Niederrhein ihr Obst nur zu professionellen Mostereien
bringen. Der Aufwand lohnte sich kaum und der Saft, den man von den Mostereien erhielt, stammte
nicht aus dem eigenen Obst. Dass viele Früchte deshalb auf den Wiesen vergammelten, ärgerte den
Heimatverein Keppeln e.V. und er rief vor 20 Jahren die Aktion „Fallobst ist kein Abfall – wir machen
was draus“ ins Leben.

Angefangen hat alles mit einer handbetriebenen Apfelpresse. Inzwischen gibt es einen Verleihservice
mit fünf Apfelpressen und umfangreichem Zubehör wie Muser, Abfüllhilfe, Geräte zum Erhitzen
und Thermometer. Viele Obstwiesenbesitzer machen aus dem Saftpressen richtige Events mit
Familie, Freunden oder Nachbarn. Die Saftpressen und das Zubehör können dafür tageweise günstig
ausgeliehen werden. Dazu gibt es jede Menge Tipps rund ums Entsaften. Über die Leihgebühren
werden Reparaturen und Neuinvestitionen finanziert.

Bis zu 50 Tonnen Äpfel werden damit in der Region pro Jahr zu leckerem Apfelsaft verarbeitet. Obst,
das sonst vergammeln würde. Und selbst der Trester, der beim Mosten übrigbleibt, wird als wertvolles
Tierfutter für den Winter verwendet. Die Fangemeinde der Saftmacher wächst. Vor allem immer
mehr junge Familien verarbeiten ihr eigenes Obst zu gesundem Saft. Auch in Kitas und Schulen wird
gemeinsam entsaftet. So lernen Kinder von klein auf, achtsam mit Lebensmitteln umzugehen, und sie
erfahren eine Menge über alte Apfelsorten.

(c) Marktschwärmer
(c) Marktschwärmer

MARKTSCHWÄRMER GMBH, START-UP, EUROPAWEIT

Wer als bäuerlicher Erzeuger seine Produkte direkt vermarktet, müsste eigentlich hellsehen können:
Wie viel von einem Produkt werde ich auf dem Wochenmarkt verkaufen? Wie viele Kunden werden
in meinen Hofladen kommen? Da dies nicht genau vorhersehbar ist, werden zu viele geerntete
Lebensmittel kurz vor Marktende oder Ladenschluss zu niedrigen Preisen abgegeben. Frische,
verderbliche Ware muss oft sogar weggeworfen werden.

Die Marktschwärmer haben einen digitalen Weg gefunden, Erzeugern den Blick in die Zukunft zu
ermöglichen: Sie organisieren lokale Bauernmärkte, bei denen die Kunden vorab online aussuchen
und bezahlen, was sie kaufen möchten. Auf dem Markt selbst holen sie ihren Einkauf nur noch ab.
So wissen die Erzeuger immer mindestens anderthalb Tage vorher, wie viel sie ernten oder herstellen
müssen. Und ihre Kunden kaufen vorausschauender ein.

Nach französischem Vorbild haben die Marktschwärmer seit 2014 schon 50 intelligente Bauernmärkte
in Deutschland ins Leben gerufen. Das Unternehmen finanziert sich durch eine Servicegebühr von
ca. 18 Prozent des Verkaufspreises aller Produkte. Die Schwärmereien verbinden jede Woche 65.000
Kunden und 950 Erzeuger zu lokalen Gemeinschaften des fairen, regionalen und bewussten Handels.

(c) Noyanum
(c) Noyanum

NOYANUM GMBH, START-UP, GARCHING BEI MÜNCHEN (BAYERN)

In Mensen und Cafeterien müssen Lebensmittel oft entsorgt werden, weil zu viel produziert wurde.
Die Küchenleitungen können den Bedarf an Essensportionen nur schwer einschätzen, da die Anzahl
der Gäste und deren Kaufverhalten schwanken. Um dieses Problem zu lösen, hat das Start-up
noyanum ein Prognosesystem entwickelt, das auf künstlicher Intelligenz basiert. Das System
analysiert die Verkaufshistorie und die Essenspreise der jeweiligen Mensa beziehungsweise Cafeteria
und kombiniert diese mit weiteren externen Faktoren wie zum Beispiel dem Wetter oder den
vorlesungsfreien Zeiten. Damit können die Anzahl der benötigten Essensportionen genauer geplant
und Überproduktionen reduziert werden.

Die Idee kam den beiden noyanum-Gründern 2017 beim Mittagessen in der Mensa und sie konnten
verschiedene Studierendenwerke davon überzeugen. Gemeinsam haben sie an der Entwicklung des
Systems gearbeitet und es anschließend in mehr als 20 Mensen getestet. Die dreimonatige Testphase
der Software hat gezeigt, dass die Planung deutlich verbessert werden konnte. Finanziell getragen
wird das Projekt von den fünf Studierendenwerken. Das Start-up erhält zudem eine Bezuschussung
vom Land Bayern.

(c) Too Good To Go
(c) Too Good To Go

TOO GOOD TO GO GMBH, START-UP, BERLIN

Essen retten, Geld sparen und die Welt verbessern – so das Motto des internationalen Teams von Too
Good To Go
. Die gleichnamige App vernetzt Gastronomiebetriebe und Verbraucher, um Lebensmittel
vor der Entsorgung zu bewahren. Restaurants, Bäckereien, Cafés, Hotels und Supermärkte können
überschüssiges Essen zu einem vergünstigten Preis zur Selbstabholung anbieten. Die Kunden
bezahlen direkt über die App und holen ihre Portion dann im angegebenen Zeitfenster vor Ort ab. So
werden überschüssige Lebensmittel verkauft statt weggeworfen. Die Verbraucher können preiswert
und nachhaltig konsumieren und neue Läden in ihrer Nähe kennenlernen.

Too Good To Go wurde Anfang 2016 gegründet und ist mittlerweile in neun Ländern aktiv. Das
Unternehmen finanziert sich in erster Linie durch eine Provision: Pro verkaufter Mahlzeit erhält
Too Good To Go 1,09 Euro. In Deutschland beteiligen sich bereits mehr als eine Million Menschen
und 2.500 gastronomische Betriebe in 400 Städten. So konnten hier bereits eine Million Mahlzeiten
gerettet werden, europaweit sind es bereits zehn Millionen.

(c) Sylwia Marschalkowski
(c) Sylwia Marschalkowski

ANTEGON GMBH, START-UP, MÜNSTER (NORDRHEIN-WESTFALEN)

Die meisten Bäckereien in Deutschland produzieren viel mehr Brot, Brötchen und Kuchen, als sie
verkaufen können, weil der Absatz so schwer vorauszusagen ist. Übriggebliebene Backwaren werden
entweder gespendet, zu Paniermehl, Tierfutter oder Biogas verarbeitet oder landen gar im Abfall.
Die jungen Unternehmer von FoodTracks wollen mit ihrer Controlling-Software Bäckereien dabei
unterstützen, ihren Betrieb zu optimieren. Das soll Lebensmittelverschwendung eindämmen und
zugleich Geld zu sparen.

FoodTracks wertet Millionen von Daten aus der Produktion und dem Verkauf der jeweiligen Bäckerei
aus. Mittels künstlicher Intelligenz und Algorithmen können Fehlerquellen und Ineffizienzen erkannt
und das Controlling verbessert werden. FoodTracks gibt den Bäckereien gezielte Handlungsempfehlungen, damit diese ihre Produktion besser planen können. Mithilfe der Software kann vorausgesagt werden, wie viele Backwaren eine Bäckerei herstellen muss, damit am Ende des Verkaufstags keine Produkte übrigbleiben. Es kann zum Beispiel ermittelt werden, ob Kunden an einem bestimmten Wochentag mehr Schokobrötchen anstatt Nussecken kaufen werden.

(c) Gemüsehof Hörz
(c) Gemüsehof Hörz

BIOLAND GEMÜSEHOF HÖRZ, EINZELUNTERNEHMEN, FILDERSTADT (BADEN-WÜRTTEMBERG)

Wenn auf dem Bioland Gemüsehof Hörz geerntet wird, haben etwa 40 Prozent der Erträge
Schönheitsfehler. Das Gemüse ist zum Beispiel etwas kleiner oder krummer als die Norm erlaubt.
Es schmeckt genauso gut, lässt sich aber schwerer vermarkten. Deshalb hatte der Gemüsehof 2018
die Idee, dieses Gemüse unter dem Namen „Bodenschätze“ an Studierende der nahe gelegenen
Universität Hohenheim zu reduzierten Preisen zu verkaufen. Nach einer Bedarfsanalyse und Werbung
im Rahmen des Universitäts-Projektes „Humboldt reloaded“ für forschungsnahes Lernen startete
eine vierwöchige Testphase.

Die Studierenden konnten die Bodenschatz-Tüten per Mail bestellen. Die Zusammensetzung war eine
Überraschung und hing von der jeweiligen Gemüsesaison ab. Bezahlt wurde per Lastschrift und der
Gemüsehof lieferte die Bestellungen an die Universität. Dort wurden sie von Studierenden verteilt. 265
Tüten fanden in der Testphase Absatz bei 172 Studierenden und Universitätsmitarbeitenden. Bestelltes
Gemüse, das nicht abgeholt wurde, wurde über die Foodsharing-Boxen der Universität kostenlos
abgegeben. Die Resonanz auf die Bodenschatz-Tüten war so gut, dass die Aktion 2019 zweimal
wiederholt werden soll.

(c) Emilie Elizabeth / Lars Walther
(c) Emilie Elizabeth / Lars Walther

NXM FILM PRODUCTION – MELANIE HAUKE UND NINA LORENZEN GBR, NACHHALTIGE
VIDEOPRODUKTIONSFIRMA, BERLIN / SOPHIA HOFFMANN, AUTORIN UND KÖCHIN, BERLIN

Für Sophia Hoffmann und die nXm-Gründerinnen Nina Lorenzen und Melanie Hauke beginnen
Klimaschutz und Nachhaltigkeit bereits in der Küche und im eigenen Vorratsschrank. Gemeinsam
zeigen sie in einer Videoreihe kreative Wege auf, alles zu verkochen, was man eingekauft und zuhause
rumliegen hat. Aus müden Kräutern stellt Sophia Hoffmann Pesto her, altes Gemüse wird zu Brühe
verkocht und Salat mit altem Brot kann wunderbar schmecken. Sophia Hoffmann verarbeitet
Lebensmittel zu 99,9 Prozent. Ihr Credo: Zero Waste kann man lernen und es ist nicht nur gut für die
Umwelt und das eigene Gewissen, sondern auch für den Geldbeutel.

In der neuen Serie, die über verschiedene Social Media-Kanäle verbreitet wird, zeigt das Team in
jeder Folge Wege auf, Lebensmittel nicht zu verschwenden – vom bewussten Einkaufen über den
Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum bis hin zum abfallfreien Kochen. Sophia Hoffmann ist
bereits durch ihre Kochbücher und Kochshows für ihr nachhaltiges Zero Waste Cooking bekannt.
nXm produziert als nachhaltige Filmproduktion Videos für Gamechanger aus der nachhaltigen und
sozialen Szene sowie für die Buchbranche.

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