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So kann jeder Lebensmittel retten

Heutzutage sind Lebensmittel in Deutschland fast immer und überall verfügbar. Durch dieses große Angebot verliert man schnell das Bewusstsein dafür, wie viel Arbeit und Ressourcen eigentlich in ihnen stecken. Die runzlige Kartoffel oder der Joghurtrest landen dann schon mal achtlos in der Tonne. Aber nicht nur in der eigenen Küche verschwenden wir Lebensmittel. Auch im Restaurant, im Supermarkt oder auf Großveranstaltungen wie Festivals landen essbare Reste im Müll. Dabei können überflüssige Abfälle oft ganz einfach vermieden werden, wenn man gemeinsam aktiv wird.

Der Verein Foodsharing bietet eine Plattform für alle, die etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun wollen. Inzwischen haben sich schon über 10.000 Menschen dort registriert. Etwa 1.000 Betriebe, vor allem Supermärkte, kooperieren mit dem Verein. Und so funktioniert es: Mit der Registrierung gibt jeder und jede an, wie oft und wo er Lebensmittel abholen kann. Zugleich stimmt man mit der Registrierung den Regeln zum Umgang mit Lebensmitteln (leicht verderbliche Lebensmittel dürfen nicht abgegeben werden) zu. Diese werden dann in öffentlich zugänglichen Kühlschränken und Regalen verteilt. Auch bei öffentlichen Veranstaltungen lässt sich der Verein was einfallen. So wurde zum Beispiel auf dem „Hurricane-Festival“ in Niedersachsen ein „Tausch-Dich-Satt-Zelt“ eingerichtet. Die Helferinnen und Helfer boten den Musikfans an, Lebensmittel, die übrig waren oder ihnen nicht schmeckten, zu tauschen.

Eine weitere Initiative, die Lebensmittel mit kurzer Haltbarkeit aus Supermärkten rettet, hat Sternekoch Marco Scheffler gegründet. „Götterspeise Eimsbüttel“ organisiert die Verteilung von Lebensmitteln, die nach Ladenschluss in die Tonne wandern würden. Der Clou: Jede und jeder kann die Idee kopieren und sich im Supermarkt um die Ecke erkundigen, was dort nach Ladenschluss mit den Lebensmitteln passiert und ob sie für einen guten Zweck abgegeben werden. Wer dabei rechtlich auf Nummer sicher gehen möchte, informiert sich dazu im Leitfaden für die Weitergabe von Lebensmitteln an soziale Einrichtungen.

Schon seit über 20 Jahren sammeln die Tafeln Lebensmittel von Handel, Großhandel und Lebensmittelindustrie ein und verteilen sie an Bedürftige. Deutschlandweit engagieren sich 60.000 Menschen in etwa 900 Ausgabestellen. Weitere Helferinnen und Helfer werden dringend gesucht. Auf der Internetseite des Vereins kann man Austeilungsstellen in der Nähe finden.

Lebensmittel retten ist nicht nur eine gute Sache, sondern macht auch Spaß: Das beweist der Verein Slow Food auch mit seinen jungen Mitgliedern. Sie organisieren „Schnippeldiskos“. Auf diesen Feiern wird gemeinsam gekocht und getanzt. Der Clou dabei: Es wird vor allem Gemüse und Obst verwendet, welches durch seine nicht handelsgerechte Form oder aufgrund von Druckstellen nicht im konventionellen Handel landen würde. Auch die Initiative „Suppe & Mukke“ zeigt, dass Lebensmittelretten mit Musik Spaß macht. Hierzu werden Gemüse und Früchte, die nicht „schön“ genug für den Handel sind, direkt von Bauernhöfen abgeholt und bei einer großen Party zu Suppe verarbeitet.

Wer weniger Zeit hat, sich auf Veranstaltungen zu engagieren, kann Lebensmittel sogar bequem vom Sofa aus retten: mit sogenannten „Foodcoops“ – zu Deutsch Essenskooperationen. Und so einfach ist es: Bei den Nachbarschaft fragen, wer Lust hat mitzumachen, absprechen, wer welche Aufgabe übernimmt und einen gemeinsamen Einkauf direkt bei einem Erzeuger organisieren. Gemüse und Obst bei einem Bauern oder einer Bäuerin zu bestellen, ist eine nachhaltige Unterstützung für die Landwirtschaft, ganz besonders für kleinere, regionale Anbieter. Außerdem schont die Großbestellung oftmals den eigenen Geldbeutel, da keine größeren Transport- oder Lagerungskosten wie bei Supermärkten anfallen. Deutschlandweit gibt es bereits einige Kooperationen. Wo man sich anschließen kann, ist auf der Internetseite von Foodcoopedia zu sehen. Nach einem ähnlichen funktioniert auch die solidarische Landwirtschaft.

Wer darüber hinaus aktiv werden möchte, kann sich im Netz umschauen, ob die eigene Gemeinde eine Ehrenamtsbörse oder -agentur eingerichtet hat, die freiwillige Helferinnen und Helfer sowie Hilfesuchende zusammenbringt.