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Europäisch kochen, europäisch Reste retten

Quelle: (c) Felix Vogel – Adobe Stock

Europa ist vielfältig – nicht zuletzt in der Küche. Wer Reste vermeiden will, findet beim Blick über die Grenze schnell kreative Verarbeitungsmöglichkeiten und lernt darüber hinaus die Esskulturen unserer Nachbarn besser kennen. Zu gut für die Tonne! hat zur Inspiration einige der beliebtesten Beste-Reste-Rezepte Europas zusammengestellt.

Die Menschen in Europa entsorgen pro Jahr rund 90 Millionen Tonnen Lebensmittel. 53 Prozent davon werden in den Privathaushalten weggeworfen. Die Mitgliedsländer der EU sind aufgefordert, Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen festzulegen, einschließlich Sensibilisierungs- und Aufklärungskampagnen. Was aber können wir selbst tun, um weniger Lebensmittel wegzuwerfen? Um Reste in der Küche zu verwerten, lassen sich die Europäerinnen und Europäer eine Menge einfallen. Die folgenden Gerichte bieten dir kreative Kochinspiration vom Mittelmeer bis nach Osteuropa und helfen obendrein bei der Resteverwertung.

Pizza und Flammkuchen: Viele Varianten für viele Geschmäcker   
Wo genau die Pizza ihren Ursprung hat und welche Variante das Original ist, lässt sich heute kaum mehr sagen. Eines ist aber sicher: Die Pizza ist ein unschlagbar flexibler Resteverwerter. Der Teig besteht aus Mehl, Salz, Öl und etwas Hefe. Beim Belag sind deiner Fantasie keine Grenzen gesetzt: Die Basis aus Tomatensoße und Käse schmeckt mit Fleisch- und Fischresten oder diversen Gemüsen ebenso gut wie mit süßlichem Belag wie beispielsweise Ananas. Und wenn du die Größe des Backblechs doch einmal unterschätzt hast, hat auch kalte Pizza vom Vortag ihren Reiz. Ansonsten kannst du sie auch bei niedriger Temperatur in einer Pfanne mit Deckel aufwärmen.  

Nicht unähnlich ist der Flammkuchen: Ohne Tomatensoße, dafür mit Sauerrahm bestrichen, wird die Variante aus dem Elsass klassisch mit Speck und Zwiebeln belegt. Aber auch mediterrane Variationen mit Tomaten, Resten von Paprika, Käse oder Rucola schmecken hervorragend – ebenso wie süße Flammkuchen mit Birnen und Nüssen oder Äpfeln und Zimt.

Resteretten auf Französisch mit Ratatouille und Quiche
Die französische Küche steht auf der ganzen Welt für Qualität und Genuss. Neben ausgefeilten Kompositionen zeigt so mancher Klassiker, dass auch einfachste Zutaten und Lebensmittelreste das Zeug zum schmackhaften Gericht haben.   

Der berühmte Gemüseeintopf Ratatouille kommt ursprünglich aus dem Süden Frankreichs. Für ein klassisches Ratatouille musst du Paprika, Zwiebeln, Zucchini, Auberginen, Tomaten und Knoblauch zusammen in einem Topf kochen. Das Gute: Vor allem in den Sommermonaten kannst du viele dieser Zutaten auch hierzulande im eigenen Garten oder auf dem Balkon selbst ziehen. Außerdem ist Ratatouille eine schnelle und einfache Verwertungsmöglichkeit für nicht mehr ganz frisches oder leicht schrumpeliges Gemüse. Wie ein echtes französisches Ratatouille gelingt, kannst du hier in unserer Rezeptdatenbank nachlesen.  

Daneben lockt die Quiche zur schnellen und unkomplizierten Verwertung von Gemüseresten. Für den Teig brauchst du nur etwas Mehl, Eier, Backpulver, Wasser und Salz. Belegen kannst du den Mürbeteig mit fast allem, was das Gemüsefach so hergibt. Zwiebeln oder Lauch und Knoblauch sind gesetzt. Dazu passen Paprika, Zucchini, Aubergine, Karotte, Pilze und vieles mehr. Quiche schmeckt sowohl warm und direkt aus dem Ofen als auch als kalter Snack. Ein schnelles Gemüsequiche-Rezept findest du hier.

Soljanka: Flexible und nahrhafte Landküche aus Osteuropa
Ursprünglich aus Osteuropa, ist die Soljanka auch in ostdeutschen Bundesländern und damit im deutschsprachigen Raum vielen ein Begriff. Aufbauend auf einer flüssigen Basis aus Krautsud, saurer Sahne und Gurkenlake kannst du bei dieser nahrhaften ehemaligen Bauernspeise diverse Zutaten kombinieren. Die Haupteinlage besteht in der Regel aus Fleisch, Fisch oder Pilzen. Dazu können Zwiebeln, Tomaten, Paprika, aber auch Oliven und Kapern Verwendung finden. Das Rezept ist über die Jahrhunderte und regional stark variiert worden, doch eine Konstante bleibt: Gekocht wird mit dem, was zur Hand ist.

Altes Brot: Gaumenschmaus statt Entenfutter
Fast jedes Land hat seine bevorzugte Brotart – und alle werden sie bei zu langer Lagerung irgendwann hart. So ist es kein Wunder, dass es in den unterschiedlichen Esskulturen Europas ganz verschiedene Einfälle zur Verwertung von altem Brot gegeben hat.

Das in Deutschland als „Arme Ritter“ bekannte Gericht funktioniert am besten mit Weißbrot, das häufig schon nach ein bis zwei Tagen Lagerung hart und trocken wird. Zur Zubereitung schneidest du die Brötchen beziehungsweise das Baguette in Scheiben und brätst es in einer Mischung aus Milch und Eiern an. Wer es mediterraner mag, kann sich an einem Brotsalat versuchen. Hierzu wird das überschüssige Brot in Würfel geschnitten, in einer Pfanne mit Öl angebraten und danach mit Gemüseresten nach Wahl zu einem Salat vermengt. Auch hier kann frei improvisiert werden.